Die Erdölpreise sind gefallen. Die Nordseesorte Brent etwa kostet mit zuletzt rund 95 US-Dollar das Fass so viel wie vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. "Der Preisrückgang beim Öl nährt die Hoffnung auf ein Ende der extremen Energiepreise und damit auf eine langsame Entlastung der Verbraucher und ganzer Industriesektoren", kommentiert Christoph Mertens, Portfoliomanager bei der Fürst Fugger Privatbank, die positive Seite der Entwicklung.

Der Rückgang des Ölpreises könne aber auch in einem anderen Licht gesehen werden. Denn: "Ist der Ölpreis hoch, brummt die Wirtschaft", erläutert Mertens. "Kühlt sich die Wirtschaft ab, drückt dies, historisch gesehen, den Ölpreis nach unten." So seien es vor allem die jüngsten Nachrichten zur konjunkturellen Lage in der Welt gewesen, die den Rückgang des Fieberthermometers beeinflusst hätten.

Unerfreuliche Indikatoren
"Enttäuschende Konjunkturdaten aus China haben zu Beginn der Woche auf den Preis gedrückt", führt Mertens an. Auch die niedriger als erwartet ausgefallene Industrieproduktion sowie schwache Einzelhandelsumsätze und Immobiliendaten würden zu Verunsicherung führen. Zudem habe die chinesische Zentralbank überraschend ihren Leitzins gesenkt und damit ihre Sorge um die Konjunktur signalisiert, so Mertens.

Aber auch aus den USA seien unerfreuliche Konjunkturdaten gemeldet worden. So sei der Empire Manufacturing Index, der die Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe widerspiegelt, entgegen den Erwartungen im August eingebrochen. Rezessionssorgen würden derzeit stetig neue Nahrung erhalten, berichtet der Investmentprofi.

Große Herausforderung
Grundsätzlich stelle sich aber die Frage, welchen Stellenwert Öl in der Zukunft noch einnehmen werde. "Das wachsende Verantwortungsbewusstsein sowie der Wunsch nach weniger Abhängigkeit zielen auf den Verzicht auf fossile Energieträger ab." Große Teile des Ölkonsums zu ersetzen und durch andere Lösungen aufzufangen, sei daher eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre, so Mertens. (ert)