China ist ein Markt, in den Anleger weiterhin investieren können, schreibt Gergely Majoros, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac, in einem aktuellen Marktkommentar. Die jüngsten staatlichen Regulierungen an der chinesischen Börse seien zwar restriktiver als die beiden Male in den Jahren 2015 und 2018, räumt er ein. Er geht jedoch nicht davon aus, dass die chinesischen Behörden die Tech-Giganten auf Dauer schwächen wollen. Der Experte rechnet auch nicht damit, dass China einen Angriff auf das Privateigentum plant oder bestehende Rechtsstrukturen aushebeln will. "Diese Logik stünde in starkem Widerspruch zu den notwendigen und strategischen Bemühungen, die chinesischen Kapitalmärkte schrittweise zu öffnen", argumentiert Majoros.

Vielmehr ginge es der chinesischen Regierung darum, die negativen Folgen der marktbeherrschenden Stellung bestimmter Unternehmen einzudämmen – für den gemeinsamen Wohlstand. Die Maßnahmen "mögen hart erscheinen – im Grunde basieren sie jedoch auf denselben Sorgen, die auch westliche Industrienationen umtreiben", erläutert der Experte. Daher sieht er keinen Grund, die chinesischen Unternehmen im Portfolio unter dem Gesichtspunkt eines höheren politischen Risikos neu zu bewerten.

Günstige Einstiegschancen
Aus Sicht des Vermögensprofis sind chinesische Unternehmen weiterhin eine Investition wert, "unter der Voraussetzung, dass man sich selektiv positioniert". Vor allem Titel der New Economy, also webbasierte Dienstleistungen, seien interessant, ebenso wie Unternehmen, die solide Bilanzen aufweisen und auf langfristige Trends setzen. Angesichts des Kursrückgangs des Nasdaq Golden Dragon China Index, der einige der führenden Unternehmen der chinesischen Tech-Branche enthält, sieht Majoros derzeit sogar besonders günstige Einstiegschancen. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres hat der Index um 27 Prozent eingebüßt. (fp)