"Warsh-Trade" bröckelt: Märkte wetten wieder auf höhere US-Zinsen
Vor dem Amtsantritt von Kevin Warsh an der Spitze der Fed kippt die Stimmung am US-Anleihemarkt. Statt auf Zinssenkungen setzen Investoren zunehmend auf eine länger straffe Geldpolitik.
Vor nicht allzu langer Zeit glaubte der US-Staatsanleihemarkt, den sogenannten Kevin-Warsh-Trade verstanden zu haben: Einfach auf mehrere Zinssenkungen setzen, die der designierte Kandidat voraussichtlich liefern würde, sollte er die Führung der Federal Reserve übernehmen. Am Dienstag (12.5.) bestätigte ihn der US-Senat zunächst mit 51 zu 45 Stimmen für eine 14-jährige Amtszeit als Fed-Gouverneur. Am Mittwoch (13.5.) sollte Warsh zum neuen Notenbankchef ernannt werden.
Nun, wenige Tage bevor Warsh an die Spitze der Notenbank tritt, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Statt Zinssenkungen tendieren Wetten im 31 Billionen US-Dollar schweren Anleihemarkt in Richtung einer strafferen Geldpolitik – eine Folge robusten US-Wachstums und inflationsgetriebener Sorgen durch den Iran-Krieg. Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen nähern sich fünf Prozent, während Wetten auf eine steilere Zinskurve weitgehend rückgängig gemacht wurden.

Wirtschaftslage statt Ideologie
Nicht, dass Investoren glauben, Warsh habe plötzlich seine Überzeugung aufgegeben, dass sowohl Zinssenkungen als auch eine Reduzierung der Fed-Bilanz nötig seien. Vielmehr gehen sie davon aus, dass der künftige Vorsitzende ebenso stark an die wirtschaftlichen Entwicklungen gebunden sein wird wie seine Vorgänger.
"Was sein Handeln bestimmen wird, sind die Ereignisse, nicht die Ideologie", sagte Adam Marden, Co-Portfoliomanager der Dynamic Global Bond Strategy bei T. Rowe Price.
Für Investoren bedeutet das Nachlassen des Warsh-Trades weniger Klarheit in einem ohnehin schwer zu navigierenden Markt. Ölpreise – ein zentraler kurzfristiger Treiber für Zinsen – folgen dem unberechenbaren Verlauf des Iran-Kriegs. Gleichzeitig sorgen KI-Investitionen und hohe Energiepreise für zusätzliche Unsicherheit.
"Es ist sehr schwierig gewesen, in diesem Markt zu handeln oder ihn überhaupt zu analysieren", sagte Priya Misra, Portfoliomanagerin bei J.P. Morgan Asset Management. KI sorge für "Investitionen, Anleiheangebot und Optimismus hinsichtlich der längerfristigen Wachstumsaussichten der USA. Und gleichzeitig erleben wir gerade den größten Schock im Energiesektor."
Markt preist wieder Zinserhöhungen ein
Strategen der Bank of America schrieben, der Markt habe die Möglichkeit von Zinserhöhungen unterschätzt, die nach dem starken Arbeitsmarktbericht im April wahrscheinlicher geworden seien. Diese Sichtweise deckt sich weitgehend mit jener von Marden von T. Rowe Price, dessen globaler Fonds auf fallende Kurse von US-Staatsanleihen setzt – also darauf, dass die Fed angesichts einer widerstandsfähigen Wirtschaft und erneut steigender Preise an einer straffen Geldpolitik festhalten wird.
Daten vom Dienstag (12.5.) zeigten, dass der US-Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich um 3,8 Prozent gestiegen ist. Dies übertraf die Schätzungen der Ökonomen und markierte das höchste Teuerungstempo seit 2023.
Zinsswaps zeigen, dass Händler inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 75 Prozent für eine Zinserhöhung der Fed bis April 2027 einpreisen. Vor Beginn des Iran-Konflikts Ende Februar hatten Händler dagegen noch mehrere Zinssenkungen erwartet.
Hoffnung auf Comeback des "Warsh-Trades"
Einige Strategen sagen, Warsh werde dennoch versuchen, der Fed seinen Stempel aufzudrücken. Analysten von Morgan Stanley zufolge könnte eine von Warsh geführte Fed für stärkere Schwankungen am US-Staatsanleihemarkt sorgen. Andere wiederum halten ein Comeback des "Warsh-Trades" für möglich – insbesondere bei einer schwächeren Wirtschaft oder nachlassender Inflation. Höhere Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen treiben bereits die Kosten für Auto- und Immobilienkredite nach oben.
"Es gibt ein Zeitfenster für die Rückkehr des Warsh-Trades, und das wäre ein deutlich schwächerer Arbeitsmarkt", sagte Ed Al-Hussainy, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle Investments. "Das ist derzeit nicht das Umfeld, aber es könnte bis zum Jahresende der Fall sein."
Auch Andrew Szczurowski, Portfoliomanager bei Morgan Stanley Investment Management, setzt auf eine spätere Lockerung der Geldpolitik. "Ich glaube nach wie vor, dass die Mehrheit der Fed davon ausgeht, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung sein wird", sagte er. "Ob diese nächste Senkung nun in zwölf oder in neun Monaten erfolgt, spielt keine Rolle." (mb/Bloomberg)














