Investoren sollten bei US-Unternehmensanleihen besser zweimal hinsehen. Denn in ihnen schlummern enorme Risiken, die bei einer möglichen Rezession ernsthafte Probleme auslösen könnten. Vor dieser Gefahr warnt der Börsenbriefaautor Robert Rethfeld in der aktuellen Ausgabe von ""ellenreiter-Invest".

Rethfeld bezieht sich dabei auf eine Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley aus dem Herbst 2018. In dieser wurde berechnet, dass sich Universum der BBB-gerateten Unternehmensanleihen seit 2008 von 770 Milliarden auf 2,4 Billionen US-Dollar ausgeweitet hat. Dabei droht die zunehmende Gefahr, dass US-Corporate-Bonds in Höhe von bis zu 1,1 Billionen US-Dollar im Falle von Herabstufungen ihrer Bonität ins High-Yield-Segment fallen würden.

Das Problem dabei ist, dass das HY-Bond-Universum mit etwas mehr als einer Billion US-Dollar Volumen diese Menge an "gefallenen Engeln" wohl nur schwer aufnehmen kann. Darüber hinaus könnten diese neuen HY-Bonds im Rahmen eines "Crowding Outs“ schwächer gerateten HY-Bond-Emittenten die Refinanzierung verunmöglichen oder zumindest drastisch verteuern. Das könnte über Zweitrundeneffekte eine Pleitewelle bei HY-Emittenten auslösen, die Rezession verschärfen und einen Teufelskreis auslösen: "Diese aufgrund von erzwungenen Verkäufen durch Pensionskassen und Versicherungen losgetretene Abwärtswelle würde die Stabilität des Finanzmarktes in Frage stellen“, warnt Rethfeld. 

Die faulen Äpfel fallen zuerst
Laut Rethfeld seien die Verhältnisse auf dem Alten Kontinent kaum besser. Auch hier ist die BBB-Kategorie stark gewachsen. Es bestünde kein Zweifel, dass die Niedrigzinsphase die Existenz von Krediten und damit von Unternehmen ermögliche, die in früheren Zeiten keine Überlebenschance gehabt hätten. In der OECD existieren Rethfeld zufolge 536 Zombie-Unternehmen – also Firmen, deren Gewinne nicht ausreichen, um künftige Zinszahlungen abzudecken.

Rethfeld geht in seiner Analyse auf die Frage ein, wann diese "BBB-Bombe" platzen könnte. Er empfiehlt Investoren, auf die Spread-Entwicklung von "BBB"-Unternehmensanleihen im Verhältnis zu AAA-Bonds zu achten. "Sobald die Zinsen für BBB-Unternehmensanleihen deutlich stärker ansteigen als diejenigen für die beste Kategorie (AAA), spricht man von einer Spreadausweitung. In Rezessionen finden solche Ausweitungen regelmäßig statt, da die faulen Äpfel zuerst fallen“, erklärt Rethfeld. (aa)