Die meisten Rohstoffe befinden sich derzeit im Aufwind. Auch die Aussichten für den Ölpreis haben sich zuletzt verbessert. Öl hat zwar immer noch mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen. Bis Mitte des Jahres könnte der Preis des "schwarzen Goldes" trotzdem auf mehr als 60 US-Dollar je Barrel bei der Nordseesorte Brent klettern, prognostiziert Michel Salden, Leiter des Rohstoffbereichs bei Vontobel Asset Management. "Der Ölpreis hat das Potenzial, weiter zu steigen", sagt er. Der Grund: Produktionskürzungen in Saudi-Arabien dürften maßgeblich dazu beitragen, den aktuellen Angebotsüberschuss zu verringern.

Bei der letzten Sitzung des Ölförderkartells Opec überraschte Saudi-Arabien mit der Ankündigung, die Produktion im Februar und März um eine Million Barrel pro Tag zu drosseln. Diese Kürzung gleiche die höhere Ölproduktion in Russland und Kasachstan aus, urteilt Salden. Die beiden osteuropäischen Ländern wollen mehr Öl fördern, um ihren Heizbedarf im laufenden Winter zu decken. "Saudi-Arabien strebt einen weiteren Abbau der Lagerbestände im ersten Quartal an, obwohl normalerweise ein saisonaler Aufbau der weltweiten Ölvorräte zu beobachten wäre", sagt der Vontobel-Experte.

Die Lager leeren sich
Die neue saudische Zurückhaltung dürfte das Ölangebot im laufenden Jahr um mehr als 1,4 Millionen Barrel pro Tag reduzieren. Im Ergebnis wären die überschüssigen Vorräte bald aufgebraucht. "Die schwimmenden Lager auf See und in Öltankern wurden bereits abgebaut", berichtet Salden. Die Nachfrage nach dem "Schmierstoff der Weltwirtschaft" ist wegen der Lockdowns in Europa immer noch schwach, könnte sich aber nach Einschätzung des Vontobel-Mannes bis zum Jahresende erholen. Ein zentraler Faktor dafür bleibt die Lage im Luftverkehr, der durch die Corona-Krise noch immer stark beeinträchtigt ist. (fp)