Der Fondsanbieter Vontobel Asset Management hält Engagements im türkischen Finanzsektor – und macht sich angesichts des Lira-Absturzes nur wenig Sorgen. "Wir sind in türkischen Banken investiert, weil der Sektor unseres Erachtens nach günstig ist. Türkische Banken verfügen zudem über eine sehr solide Eigenmittelausstattung, wenig notleidende Kredite und sind enorm rentabel", sagt Luc D’hooge, Head of Emerging Markets Debt bei Vontobel AM. Außerdem zähle die Türkei in der EMEA-Region zu den am schnellsten wachsenden Ländern. 

Auch die Regulierung des Bankensektors erfolge umsichtig. Die Liquidität der Banken habe sich ebenfalls verbessert, so D’hooge. Nach der Bankenkrise im Jahr 2001 waren die türkischen Banken gezwungen, ihre Bilanzen zu bereinigen. "Zwar sind die Finanzierungskosten sind zuletzt gestiegen. Dies stellt jedoch keine existenzbedrohende Gefahr für den Bankensektor dar", sagt der Stratege. Nicht zu vergessen sei, dass steigende Zinsen den Banken zugutekommen. Nicht zuletzt hielten Banken hohe Bestände an inflationsindexierten Staatsanleihen. Diese schnitten in schwierigen Marktphasen besser ab als andere Bonds. 

Strategische Bedeutung der Türkei lässt Unterstützung erwarten
In Anbetracht der starren Haltung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan scheint eine baldige Lösung der Krise nicht in Sicht. "Trotzdem möchten wir die strategische Bedeutung der Türkei als Nato-Mitglied, Transitland, Pufferstaat und als bedeutender Akteur in der europäischen Flüchtlingskrise hervorheben", sagt D‘hooge. Er geht davon aus, dass der Pragmatismus der anderen Länder am Ende groß genug sein wird, die Türkei über bilaterale oder multilaterale Kanäle zu unterstützen. "Während also viele Anleger wie Touristen in einem türkischen Dampfbad ins Schwitzen kommen, bleiben wir mit unseren sorgfältig ausgewählten Bankanleihen ganz entspannt", sagt der Stratege. (fp)