Die Finanzmärkte mögen die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump zwar nicht. "Dennoch haben sie bisher nicht ausreichend eingepreist, dass der Handelskonflikt mit China weiter eskalieren dürfte", sagt Aline Goupil-Raguenes, Volkswirtin beim französischen Investmenthaus Ostrum Asset Management (Ostrum AM). 

Die Expertin zeigt sich skeptisch, was die weitere Entwicklung der Spannungen angeht: "Eine zügige Einigung zwischen den USA und China bleibt ein Luftschloss", erklärt sie. Die Forderungen der USA an China seien überzogen. Dabei gehe es nicht wirklich um Defizite in Handelsbilanzen, sondern vor allem um Technologieführerschaft. China werde seine Ambitionen keineswegs auf Druck aus dem Weißen Haus aufgeben. 

Künftig ist auch der Konsum betroffen
Schon heute hat der Handelskonflikt einen wesentlichen Einfluss auf die Weltwirtschaft: Der Welthandel geht zurück, die Industrie schrumpft und die Unternehmensinvestitionen verlangsamen sich. "Die zuletzt angekündigten Schritte werden zu einem deutlichen Anstieg der Zölle führen und direkt die US-Konsumenten treffen, die bislang im Großen und Ganzen verschont geblieben sind", sagt die Volkswirtin. "Das Risiko der nächsten Eskalation des Konflikts besteht also darin, dass sich die Folgen auf den Dienstleistungssektor und die Privathaushalte ausbreiten."

Zugleich habe die Geldpolitik nur einen geringen Einfluss auf die Binnennachfrage: "Die Haushalte und Unternehmen haben bereits heute ein günstiges Finanzierungsumfeld", sagt Goupil-Raguenes. "Und die Unternehmen werden kaum mehr investieren, wenn die weitere Entwicklung des Handelskonflikts nicht absehbar ist." (fp)