Folgt nach der Corona-Pandemie der Crash auf dem deutschen Immobilienmarkt? Noch präsentieren sich Beobachter einigermaßen gelassen. Doch mit jedem Tag, den der Shutdown anhält, wächst die Sorge, dass der Worst Case eintreten könnte. Der Berliner "Tagesspiegel" hat sich bei Kennern umgehört und angeschaut, wie es um den Immobiliensektor steht und wie er sich nach der Krise entwickeln könnte.

Demnach läuft der Betrieb auf den Baustellen bundesweit zwar größtenteils normal weiter. Es besteht aber die Gefahr, dass die Tätigkeiten durch Lieferengpässe, Erkrankungen oder behördliche Maßnahmen gebremst werden.

Angesichts der Schärfe der zu erwartenden Rezession geht die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) der Zeitung zufolge davon aus, dass der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt bereits beendet ist. Dazu passt, dass auch die Zahl der Bauaufträge sinkt. "Wenn Menschen mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht sind, werden sie kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) dem "Tagesspiegel". Auch Unternehmen dürften sich mit Investitionen zurückhalten – mit entsprechenden Folgen für den Wirtschaftsbau.

Mietenmoratium belastet Vermieter
Auch Mieter und Vermieter leiden gleicheraßen unter den Folgen der Pandemie. Zwar sieht ein Teil des jüngsten Pakets von Corona-Sondergesetzen vor, dass Wohungseigentüer ihren Mietern nicht wegen Mietrückständen zwischen dem 1. April und 30. Juni 2020 kündigen dürfen, wenn sich diese durch die Pandemie erklären lassen. Zahlen müssen Mieter aber trotzdem – spätestens bis zum 30. Juni 2022.

Vermieter wiederum könnte das Mietenmoratorium in den Ruin und die Zahl der so ausgelösten Zwangsversteigerungen in die Höhe treiben. "Ohne einen Fonds, der die Mietzahlungen übernimmt, stehen Millionen private Vermieter vor dem finanziellen Aus", sagte Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, der Zeitung. "Viele Vermieter, die dazu finanziell in der Lage sind, zeigen sich solidarisch gegenüber ihren Mietern. Aber nicht jeder Vermieter kann sich das leisten, und nicht jeder Mieter ist per se bedürftig." (fp)