Die Inflationsrate ist neben der Arbeitslosenquote und dem Bruttoinlandsprodukt eine der wichtigsten Indikatoren für den Zustand der Wirtschaft. Doch ausgerechnet in Zeiten der Corona-Krise stoßen die Statistikämter beim Messen der Kennzahl zunehmend auf Hürden, berichtet das "Handelsblatt". Der Grund: Die meisten Läden haben geschlossen, Dienstleister können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. "Eine vergleichbare Situation, in der bundesweit bestimmte Waren und Dienstleistungen gar nicht mehr konsumiert beziehungsweise angeboten werden konnten, gab es seit dem Zweiten Weltkrieg bisher nicht", teilte das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Zeitung mit.

Der Verbraucherpreisindex soll im April wie gewohnt erscheinen, aber mit Einschränkungen. Wie groß diese ausfallen werden, sei noch nicht absehbar, heißt es in dem Antwortschreiben der Behörde. Zwar greifen die Statistiker seit einigen Jahren auch auf Online-Preiserhebungen zurück, um die Höhe der Inflation zu bestimmen. Das Groß der Daten ermitteln aber nach wie vor Mitarbeiter vor Ort, die die Preise verschiedener Waren und Dienstleistungen notieren.

Auch Eurostat meldet Probleme
Ist es nicht möglich, den Preis für ein Gut oder eine Dienstleistung zu ermitteln, dürfen die Statistiker behelfsweise mit der durchschnittlichen Preisentwicklung der übrigen Produkte einer Güterart kalkulieren. In Deutschland funktioniert das noch ganz gut. In Ländern wie Italien oder Frankreich gelten allerdings bereits flächendeckende Ausgangssperren, was die Statistikbehörden vor zusätzliche Herausforderungen stellt. In einigen Staaten ist die Preiserhebung vor Ort nicht mehr möglich, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit. Trotzdem will das Amt die Inflationsdaten für März noch pünktlich veröffentlichen. Wie es ab April weitergeht, ist offen. (fp)