Vertrauensfrage: Wieso die Macht der Zinsen über Währungen endlich ist
Die jüngste Kursschwäche des US-Dollar belegt, dass Währungen nicht nur von Zinsen getrieben werden. Mathias Beil von der Sutor Bank erklärt die Hintergründe.
Zinserhöhungen stärken eine Währung, Zinssenkungen schwächen sie. So lautet die Grundregel am Devisenmarkt. Doch keine Regel ohne Ausnahme, das zeigt sich auch jetzt wieder: "Zuletzt haben die Zinsen die Macht über die Währungen bereits oft genug verloren", sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking der Sutor Bank. Statt nur auf die Zinsen zu schauen, würden Anleger auch Politik, Staatsfinanzen, Risiken und die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen bewerten.
Wenn die Lehrbuchlogik endet
"Zinsen sind ein wichtiger Faktor für Wechselkurse. Sie sind aber nie der einzige. Entscheidend ist, warum die Zinsen steigen und welches Risiko der Anleger dafür übernimmt", sagt Beil. Grundsätzlich funktioniert der Mechanismus recht einfach: Steigen die Zinsen in einem Land oder Währungsraum, wird es für Anleger attraktiver, dort Kapital anzulegen. Die Nachfrage nach der Währung steigt. Ihr Kurs sollte folgen.
Doch die Lehrbuchlogik hat ihre Grenzen. Japan liefert laut Beil dafür ein Beispiel. Im März 2024 erhöhte die Bank of Japan erstmals seit 17 Jahren ihren Leitzins. Er stieg von minus 0,1 auf 0,1 Prozent. Der Yen wertete trotzdem weiter ab. Der Grund lag im Zinsunterschied zu den USA. Dort lagen die Zinsen noch immer rund fünf Prozentpunkte höher. Für Carry Trader änderte sich deshalb zunächst wenig. Erst im Juli 2024 verschob sich die Lage. Die Bank of Japan erhöhte erneut. Zugleich rückten Zinssenkungen in den USA näher. Carry Trades wurden aufgelöst. Der Yen gewann innerhalb weniger Wochen fast 15 Prozent. "Nicht die Zinserhöhung allein war entscheidend. Entscheidend war die Erwartung über die künftige Zinsdifferenz", erläutert Beil.
Währung als Vertrauensindikator
"Der Kurs einer Währung ist am Ende auch ein Vertrauenspreis", sagt der Experte. "Wenn Zweifel an Politik, Staatsfinanzen oder wirtschaftlicher Stabilität wachsen, reichen höhere Zinsen nicht zwingend aus. Anleger verlangen dann nicht nur mehr Rendite. Sie reduzieren ihr Risiko", führt Beil aus. Für Anleger folgt daraus aus seiner Sicht eine einfache Konsequenz: "Zinsdifferenzen sollten nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind auch Kapitalströme, Fiskalpolitik und politische Risiken", erklärt er. "Der Zins allein hat keine Macht. Nur zusammen mit viel Vertrauen und wenig geopolitischem Störfeuer kann er sie ausspielen. Doch gab es in letzter Zeit eher wenig Vertrauen und viel Störfeuer", fasst Mathias Beil zusammen. (jh)












