Lange zogen die Technologieaktien die Börsen und waren zeitweilig fast allein für den Anstieg der großen Indizes verantwortlich. Mittlerweile aber hat sich die Lage gedreht. "Energie- und High-Growth-Techwerte sind innerhalb von nur vier Monaten rekordverdächtige 65 Prozent auseinandergelaufen", sagt Benjamin Bente, Geschäftsführer der Vates Invest, in einem Marktkommentar. "Dabei ist der Ukraine-Krieg nicht der Grund, wirkt aber korrekturverstärkend."

So unterschiedlich entwickeln sich Tech- und Energieaktien


Der Chef der Investmentboutique führt weiter aus, dass der amerikanische Aktienmarkt seit dem Hoch vom Jahresbeginn in der Spitze rund 13 Prozent verloren hat. Diese Korrektur wurde durch die restriktive Neuausrichtung der US-Notenbank ausgelöst und vollzog sich in den USA größtenteils bereits vor Ausbruch der Ukraine-Krise. "Der Ukraine-Krieg wirkte also nicht korrekturauslösend, aber korrekturverstärkend", so Bente. Die Notenbanken haben weltweit ernsthaft mit restriktiveren Kursen begonnen, auch um die Inflation zu bekämpfen. 

"Die geänderte geldpolitische Ausrichtung der Fed nimmt dem US-Aktienmarkt den zentralen Bullenmarktfaktor der vergangenen Jahre, was zu spürbar mehr Volatilität als noch im Jahr 2021 führen sollte", kommentiert der Experte aus dem hessischen Obertshausen. Energieaktien würden dabei klassischerweise zu den Inflationsprofiteuren gehören. "Das gilt auch für Finanzwerte und Firmen, die über eine starke Preissetzungsmacht verfügen", sagt Bente weiter. 

Antizyklische Kaufchancen
Kleinere Wachstumswerte, die zwar über Jahre gute Renditen brachten, kamen dagegen unter Druck. Wie extrem die Unterschiede seit November 2021 gewesen sind, zeige der Vergleich der Energiewerte mit dem High-Growth-Tech-Bereich. "Kein Segment leidet aufgrund der Diskontierung zukünftiger Gewinne stärker unter struktureller Inflation und den damit einhergehenden Zinssteigerungserwartungen", sagt Bente. Während Energieaktien profitieren, fallen die kleinen Techwerte. "Beide Segmente haben sich in gerade einmal rund vier Monaten um 65 Prozent auseinanderentwickelt."

Grundsätzlich gelte aber: Auch wenn die zunehmend restriktive Geldpolitik der Zentralbanken belastet, so zeigt sich die US-amerikanische Konjunktur bis dato weiterhin robust. Zuletzt hatte die Panik im Aktienmarkt sogar antizyklische Kaufchancen geboten. (jb)