Wertpapiere aus den Emerging Markets haben bei sicherheitsorientierten Anlegern derzeit keinen leichten Stand. Der Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets hat innerhalb weniger Monate zweimal kräftig nach unten ausgeschlagen. Dennoch gehört die Anlageklasse in jedes Portfolio, ist Christian Köffler, Vermögensverwalter bei I.C.M. Independent Capital Management, überzeugt. Der Grund: "Langfristig gesehen entwickeln Schwellenländer eine sichtbare wirtschaftliche Stärke."

Das zeigt der Blick in die Vergangenheit. Vor der Finanzkrise lag der Anteil der Schwellenländer am globalen Bruttoinlandsprodukt ebenso wie der der Eurozone bei zwanzig Prozent. Mittlerweile ist er auf 45 Prozent gestiegen – dreimal so viel wie die Eurozone, deren Anteil auf 15 Prozent gesunken ist. Entgegen der landläufigen Annahme zeichnen sich die Schwellenländer auch durch eine deutlich niedrigere Schuldenquote aus als die Industrienationen. Während die Staatsverschuldung in Japan 2018 rund 240, in Italien 130 und in den USA 106 Prozent des nationalen BIP betrug, liegt der Durchschnitt der Schwellenländer bei 42 Prozent.

Chancen und Risiken
Gleichwohl sollten sich Anleger aber auch der Risiken von Schwellenländer-Investments bewusst sein. Besonders politisch gibt es einiges zu beachten. In der Türkei etwa trifft ein überhitzter Markt auf eine immer rigider werdende Regierung mit zum Teil fragwürdigen Tendenzen und Äußerungen. Argentinien hat nach der Abwahl des liberalen Präsidenten Mauricio Macri einen Linksruck gesehen, und in Brasilien hat der neue Präsident Jair Bolsonaro einen Kurs eingeschlagen, der vielen als allzu autoritär erscheint.

Investoren sollten die Ertrags- und Gefahrenpotenziale daher sorgfältig gegeneinander abzuwägen und sich auch für die richtigen Instrumente entscheiden, sagt Köffler. Bei aktiven Fonds zum Beispiel sollte die spezifische Länderkompetenz und strategische Weitsicht des Asset Managers im Fokus stehen. Erst wenn diese gegeben ist, lohnen sich auch die Gebühren des Fonds. (fp)