Je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto mehr kommen Pensionskassen in finanzielle, existenzielle Schwierigkeiten. Schließlich werfen fest verzinste Papiere, in die solche Kassen regelmäßig das Geld der Beitragszahler anlegen, kaum noch Rendite ab oder befinden sich bereits im negativen Bereich. Dadurch haben es Pensionskassen zunehmend schwerer, die Ansprüche ihrer Kunden zu decken – und ihnen die vertraglich geregelte Altersvorsorge weiterhin zu gewährleisten. "Ich befürchte, dass der Niedrigzins manche Pensionskasse überlebt", sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant Capital Management. Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sehe inzwischen 31 Pensionskassen so kritisch, dass sie ihre Aufsicht verstärke.

Für Mlinaric gibt es nun drei Möglichkeiten für Pensionskassen, zu reagieren: "Es muss mehr Geld eingezahlt werden, weniger ausgezahlt oder das vorhandene Kapital muss höhere Renditen abwerfen." Da die ersten beiden Varianten eher unbeliebt bis unrealistisch seien, hält der Quant-Capital-Geschäftsführer vor allem Investments in risikoreichere Anlageklassen für notwendig. Das bedeute jedoch nicht, dass die Kassen ihr Risikobudget insgesamt erhöhen müssten – wohl aber, vorhandene Spielräume im Risikobudget zu nutzen und ein internes Risikomanagement aufbauen.

Erste Versorgungswerke kapitulieren
Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Deutsche Steuerberater-Versicherung (DSV) vor dem Aus steht. Die Pensionskasse hatte seit Ende 2017 in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt, sodass ihr die Bafin die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb entziehen will. Der Fehlbetrag in der Bilanz der DSV hatte im Jahr 2018 insgesamt 158 Millionen Euro betragen. (fp)