Der Dax könnte bald auf ein neues Rekordhoch klettern. Das heißt aber nicht, dass deutsche Standardwerte teuer sind, sagt Helge Müller, Chefanlagestratege bei Genève Invest. Er weist darauf hin, dass der Dax ein Performanceindex ist. Das heißt: Dividenden fließen in die Entwicklung des Barometers mit ein. "Das ist so, als ob man bei einer Immobilienbewertung die eingenommenen Mieten stetig zum Immobilienpreis hinzuaddieren würde", erklärt Müller.

Aussagekräftiger als der "normale" Dax ist der Dax-Kursindex. Diese Variante berücksichtigt ausschließlich die Kursentwicklung der Aktien im Index, ohne Ausschüttungen. "Und hier zeigt sich, dass Dax-Aktien seit dem Hoch im Jahr 2000 nur den Verlusten hinterherlaufen", sagt Müller. Einige Branchen, darunter Versorger, Telekommunikation und Banken, haben in den vergangenen 19 Jahren sogar herbe Verluste erlitten – obwohl einzelne Firmen in diesem Zeitraum Umsatz und Gewinn steigern konnten. "Deutsche Aktien sind deshalb nicht teuer, sondern nur moderat bewertet", sagt der Stratege.

Ausdauer statt Timing
Anleger sollten sich gar nicht erst die Frage stellen, ob denn jetzt der ideale Zeitpunkt zum Einstieg ist, so der Experte. "Es gibt keinen optimalen Einstiegszeitpunkt." Sein Rat: Stetig investieren und konsequent dabeibleiben. "Das Durchhalten lohnt sich erfahrungsgemäß", sagt Müller. Wer mindestens fünf Jahre lang in Aktien investiert, schneidet damit in der Regel besser ab als mit jeder anderen Anlageklasse. (fp)