Der Crash war überall zu spüren: Als der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte WTI am 20. April kurzzeitig ins Minus absackte, brach an den Börsen rund um den Globus Panik aus. Schon seit Jahresbeginn hatte sich ein Wertverlust am Ölmarkt abgezeichnet. Und die Preise werden wohl auch nicht mehr deutlich steigen, prognostiziert Gottfried Urban, Geschäftsführer beim Vermögensmanager Urban & Kollegen. Der Grund: "Jeder größere Ölpreisanstieg führte und führt zu Anreizen, weitere Vorkommen und bessere Fördertechniken zu finden. Dadurch steigt das Angebot, der Preis sinkt wieder. Außerdem bremsen zunehmende Energieeffizienz und Ersatzenergieprodukte den Ölbedarf", sagt er.

Anleger sollten sich nicht von den niedrigen Preisen blenden lassen, mahnt der Investmentprofi. "Eine Anlageklasse, die 80 Prozent und mehr verlieren kann, ist eher vergleichbar mit einer Spekulation aus Zeiten des Neuen Marktes. Inflationsbereinigt ist der Rohstoffindex für einen langfristigen Anleger zur Geldanlage völlig ungeeignet", sagt er. Lagerkosten, Naturkatastrophen, die eigenen Gesetze des Terminmarktes und starke politische Lenkungsmotive machen Rohstoffinvestments zu einer hochriskanten Spekulation, warnt Urban.

Auf das richtige Pferd setzen
"Die Lager sind übervoll, das dürfte für die nächsten Wochen auch wenig Spielraum für eine nachhaltige Ölpreiserholung geben“, prognostiziert der Vermögensverwalter. Statt Öl zu kaufen sollten Langfrist-Anleger besser überlegen, wer von der Krise am Ölmarkt profitieren könnte. "Gewinner sind die Staaten, die Rohstoffe importieren müssen – also China und auch Europa“, so Urban. Auf der Verliererseite sieht er die regenerativen Energien sowie die großen Ölexporteure wie Russland und Saudi-Arabien. "Auch die Umwelt könnte auf der Verliererseite stehen: Billiges Öl mindert den Anreiz, Energie zu sparen." (fp)