Die zehnjährige Bundesanleihe ist für Investoren nicht nur ein zinsloses Geschäft, sie zahlen sogar sicher drauf: Die Rendite des Staatspapiers liegt aktuell bei minus 0,3 Prozent im Jahr. Trotzdem scheinen sich Investoren darum zu reißen, in die Papiere zu investieren. Thomas Buckard, Gründungsmitglied der Wuppertaler Vermögensverwaltung Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen, kann das nur schwer nachvollziehen. "Unterstellen wir eine Inflationsrate von jährlich um die zwei Prozent, ist mehr als ein Viertel der Kaufkraft aus dem Anlagebetrag vernichtet", sagt der Anlageprofi und ergänzt: "Verrückte Zeiten sind es, in denen wir uns befinden!"

Seiner Prognose nach dürften die Zeiten auf unbestimmte Zeit so "verrückt" bleiben. Buckard hält die niedrigen Zinsen für nötig, weil die Wirtschaft in Europa erheblich schwächelt. Davon würden nicht zuletzt die Hiobsbotschaften der letzten Tage zeugen: "Ein Großkonzern nach dem anderen kündigt deutlichen Stellenabbau an. Das ist fürwahr nicht das Umfeld für steigende Zinsen, welche die Wirtschaftsentwicklung bremsen würden", sagt Buckard.

Verzweifelter Versuch eines Ertrinkenden
Investoren sollten sich dennoch nicht verrückt machen lassen. "Akzeptieren Sie den niedrigeren Zins", rät der Anlageprofi und empfiehlt, auf gute, breit gestreute Renten-Spezialfonds zu setzen. Auch defensive, dividendenstarke Aktien würden sich in diesem Umfeld anbieten. Von riskanten Langläufern rät er ab.

Sollten die Zinsen noch tiefer ins Minus rutschen, könnte die garantierte Minusrendite langlaufender Anleihen zwar tatsächlich der bessere Deal sein. Für den Anlageprofi gleicht diese Strategie aber "dem verzweifelten Versuch eines Ertrinkenden, sich selbst an seinem Schopf aus dem Wasser zu ziehen". (fp)