Keine Angst vor der Inflation, heißt es zurzeit oft. Bei den stark steigenden Inflationsraten handelt es sich laut gängigem Narrativ nämlich nur um kurzfristige Einmaleffekte. Stimmt nicht, sagt Dieter Falke, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital Management. Sein Szenario ist düsterer: "Die Indikatoren deuten auf eine Beschleunigung wie auch eine Verstetigung der Inflation hin." Er glaubt, dass wir uns mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass die Geldentwertung fürs erste zurück ist. "Wer heute noch von Einmaleffekten spricht oder deutlich zurückgehende Inflationsraten zum kommenden Jahreswechsel erwartet, ist ein Träumer", so Falkes Einschätzung.

Aus seiner Sicht wird "das Märchen vom Basiseffekt" derzeit eindeutig überstrapaziert. Die zwischenzeitliche Senkung der Mehrwertsteuer während der Pandemie könne man zwar tatsächlich in die Kategorie "Eintagsfliege" einordnen. Doch das Wetter, das zu Preissteigerungen bei Lebensmitteln führte, sowie Lieferengpässe bei manchen Waren und auch die schwankenden Energiepreise fallen aus seiner Sicht nicht darunter. "Wir sehen heute immer noch steigende Ölpreise, in Großbritannien hat sich der Gaspreis vervierfacht und in China wird Energie rationiert", sagt Falke.

Lohn-Preis-Spirale
Hinzu kommt: Unternehmen drosseln teils ihre Produktion, die Verknappung mancher Güter bei gleichzeitig erhöhter Konsumlaune heizt die Inflation erneut an. Diese Faktoren sprechen dem Finanzprofi zufolge für einen weiteren Anstieg der Inflationsraten. Die Gewerkschaften hätten das erkannt und reagierten darauf mit höheren Lohnforderungen. Das wiederum setzt nach Falkes Erwartung eine Lohn-Preis-Spirale in Gang, die weit über den Jahreswechsel hinausgeht. (fp)