Seit fünf Jahren schwankt der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar zwischen 1,05 und 1,25. Ist der Greenback zu Recht noch so stark? Gottfried Urban, Vermögensprofi bei der Urban & Kollegen Vermögensmanagement, hat Zweifel. Viele Faktoren würden derzeit für einen schwächeren US-Dollar sprechen – etwa, dass die USA ihre Verschuldung regelmäßig relativ zur Wirtschaftsleistung erhöhen. "Die USA wenden circa drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Zinslast auf, Deutschland nur 0,6 Prozent", erklärt der Anlageprofi. Die USA laufen damit Gefahr, in Zukunft bei den Zinskosten in eine gefährliche Negativspirale zu geraten. Das würde den US-Dollar schwächen.

Hinzu kommt: US-Präsident Donald Trump ist auf einen fallenden US-Dollar angewiesen. Ein schwacher Greenback würde der Konjunktur im für ihn so wichtigen Wahljahr helfen. "Trump wird deshalb gerade im ersten Quartal versuchen, Druck auf die Notenbank auszuüben, um die Zinsen weiter nach unten zu drücken, was den US-Dollar unattraktiver macht", sagt Urban. Schließlich dürfte auch die sich abzeichnende Konjunkturerholung in Europa vermehrt internationale Investoren anlocken und damit den Euro erstarken lassen.

Wichtiger Baustein im Portfolio
Eine Dollar-Schwäche 2020 wäre für Investoren eine bittere Pille. Sie würde vor allem den Weltaktienindex belasten, da dieser zu mehr als 60 Prozent aus US-amerikanischen Werten besteht. Die Performance von in Euro geführten Depots dürfte ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Die US-Währung bleibt zwar im Sinne der Risikostreuung ein wichtiger Bestandteil in einem globalen Portfolio, ist Urban überzeugt. "Ob die Währung künftig einen positiven Beitrag zur Depotentwicklung leistet, erscheint jedoch fraglich." (fp)