Dass Silber im vergangenen Jahr noch einen herben Rückschlag erleiden würde, hätte kaum ein Experte erwartet: Von seinem Jahreshoch am 1. Februar 2021 von 30 US-Dollar pro Feinunze brach der Silberpreis bis Ende September um fast 30 Prozent ein, auf knapp 21 US-Dollar. Anfang des laufenden Jahres notiert der Kurs noch immer auf einem schwachen Niveau von unter 23 US-Dollar. Trotzdem gibt sich Rainer Beckmann, Geschäftsführer beim Düsseldorfer Vermögensverwalter Ficon, zuversichtlich: "Am Silbermarkt rechnet man für 2022 mit einer Gesamtnachfrage von mehr als einer Milliarde Unzen Silber", meint der Finanzprofi – " das entspricht einem Anstieg von gut 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr." 

Ein Grund für die erwartete Preissteigerung liegt laut Beckmann in der Endlichkeit des Edelmetalls: Wurden im Jahr 2016 noch etwa 28.076 Tonnen Silber weltweit gefördert, waren es im Jahr 2020 nur noch 24.831 Tonnen. Ein kräftiger Rückgang von gut elf Prozent. Zudem reichen nach derzeitigen Erkenntnissen des US Geological Survey, einer Behörde des US-amerikanischen Innenministeriums, die bekannten abbaubaren Silberreserven nur noch für etwa 13 Jahre aus. Andere Experten rechnen etwas großzügiger mit gut 20 Jahren, da weitere Minen Fördergenehmigungen bekommen könnten, erklärt Finanzexperte Beckmann. 

Nachfrageüberhang auf dem Silbermarkt 
Schon jetzt besteht auf dem Silbermarkt ein deutlicher Nachfrageüberschuss und der treibt die Preise. Allein 2020 haben die Unternehmen aus der Industrie und Fotografie, sowie Schmuck- und Silberwarenhersteller und die Investmentindustrie insgesamt 27.872 Tonnen Silber abgenommen; deutlich mehr als geschürft wurde. Noch wird der Nachfrageüberhang weitestgehend von Recyclingmaßnahmen aufgefangen, aber "je weiter das Angebot zurückgeht, je stärker wird sich der Preisanstieg beim Silber entwickeln", sagt Beckmann.  

Zumal das Edelmetall bei erneuerbaren Energien eine ganz neue Bedeutung erhält, wie etwa in der E-Mobilität. Schon jetzt braucht es schätzungsweise für jedes neue E-Auto etwa zwei Unzen Silber. "Bei den derzeitigen Jahresproduktionen von über 100 Millionen Fahrzeugen wird es zwangsläufig eine wesentliche Beschleunigung auf der Nachfrageseite geben, die nicht geschlossen werden kann", sagt Beckmann. (fp)