Das Coronavirus macht sich in Chinas Wirtschaft deutlich bemerkbar. "Eine ganze Provinz mit 40 Millionen Einwohnern steht faktisch unter Quarantäne", sagt Markus Richert, Berater beim Vermögensverwalter Portfolio Concept in Köln. Werksferien wurden verlängert und Fabriken geschlossen, Toyota hat die Produktion in China gestoppt, Starbucks die Hälfte seiner Filialen dichtgemacht. Auch andere Länder stehen im Bann des Virus. So verzeichnete der US-Index Dow Jones am vergangenen Freitag (7. Februar) den größten Ein-Tages-Verlust seit August 2019. "Das Coronavirus dürfte die Börsen auch in der neuen Woche beschäftigen", prognostiziert Richert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Anlageprofis zieht Richert keinen Vergleich zur Sars-Epidemie, sondern zur Spanischen Grippe. Diese kostete zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zwischen 50 und 100 Millionen Menschen das Leben. "Kaum ein Land blieb verschont, die moderne Medizin stand gerade erst am Anfang", sagt Richert. Erst im Laufe des Jahres 1920 ebbte die Pandemie wieder ab. Was folgte, könnte dem Vermögensexperten zufolge Hinweise auf die Zeit nach dem Coronavirus liefern.

Erleichterung könnte die Kurse treiben
Das Abklingen der Spanischen Grippe zog einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung nach sich. "Nach Krieg und Grippe hatten die Menschen großen Nachholbedarf", erklärt Richert. Die folgende Dekade ging als die "Goldenen Zwanzigerjahre" in die Geschichte ein. Nun lassen sich die heutigen Zwanzigerjahre nicht mit jenen vor hundert Jahren vergleichen. An den Kapitalmärkten könnte aber erneut eine Erleichterungswelle einsetzen, wenn das Virus besiegt ist, sagt Richert. "Anleger, die bis jetzt den Einstieg in den Kapitalmarkt verpasst haben, sollten diese Gelegenheit nutzen", rät er.

Ein indirekter Spät-Profiteur der Spanischen Grippe hat es zu einiger Bekanntheit gebracht. Zu jenen, die im Zuge der Pandemie Geld von US-amerikanischen Lebensversicherern bekamen, gehörten auch die Witwe eines deutschen Einwanderers und ihr Sohn. Sie investierten das Geld in Immobilien. Der Enkel des plötzlich Verstorbenen führte die Geschäfte fort, wurde Milliardär und Präsident der Vereinigten Staaten: Es handelt sich um Donald Trump. (fp)