US-Präsident Donald Trump hat europäischen Ländern mit "massiver Vergeltung" gedroht, sollten sie als Reaktion auf seine Zolldrohungen im Zusammenhang mit Grönland US-Vermögenswerte verkaufen. Damit erhöhte er den Druck auf Europa, an einer sich abzeichnenden Einigung über die Zukunft der Insel festzuhalten.

"Wenn sie das tun, dann tun sie es. Aber wissen Sie, sollte das passieren, würde es eine große Vergeltung von unserer Seite geben", sagte Trump am Donnerstag (22.1.) in einem Interview mit "Fox Business" am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Und wir haben alle Trümpfe in der Hand."

Keine Details zu möglichen Gegenmaßnahmen
Der Präsident ließ offen, welche konkreten Schritte die USA im Falle eines solchen Vorgehens ergreifen würden.

Trumps inzwischen aufgegebener Plan, Zölle auf Waren aus acht europäischen Ländern zu erhöhen, um Druck in der Grönland-Frage auszuüben, hatte Spekulationen ausgelöst, Europa könne im Gegenzug US-Staatsanleihen und Aktien im Wert von Billionen US-Dollar verkaufen. Ein solcher Schritt könnte die Finanzmärkte erheblich erschüttern, die bereits durch Trumps Vorstoß auf die arktische Insel verunsichert worden waren.

Eckpunkte eines Rahmenabkommens
Im Rahmen eines Abkommens, das Trump dazu bewog, die Grönland-Krise zu entschärfen, würde der Präsident an seinem Versprechen festhalten, vorerst auf neue Zölle auf europäische Produkte zu verzichten. Im Gegenzug würden die USA Raketen in dem teilautonomen dänischen Gebiet stationieren, während die Vergabe von Mineralrechten so geregelt würde, dass chinesische Interessen begrenzt werden. Zudem soll die Nato-Präsenz in der Region ausgebaut werden.

Erste Reaktionen europäischer Investoren
Bereits vor diesem Deal gab es Anzeichen dafür, dass Trumps aggressives Vorgehen in der Grönland-Frage das Vertrauen einiger europäischer Investoren in US-Anlagen erschüttert hatte.

Der dänische Pensionsfonds Akademiker-Pension kündigte in dieser Woche an, US-Staatsanleihen im Umfang von 100 Millionen Dollar abzustoßen. Der grönländische Pensionsfonds SISA Pension erklärte zudem, er prüfe, ob er weiterhin in US-Aktien investieren solle.

Grenzen einer "Sell America"-Strategie
Eine umfassende "Sell America"-Strategie dürfte sich allerdings als schwierig erweisen. Der Großteil der US-Vermögenswerte wird von privaten Fonds gehalten, die sich dem direkten Zugriff von Regierungen entziehen. Dennoch könnten einzelne große Investoren – darunter der norwegische Staatsfonds – mit Verkäufen Einfluss auf die US-Kapitalmärkte nehmen.

"Dänemark ist irrelevant"
US-Finanzminister Scott Bessent spielte den geplanten dänischen Verkauf unterdessen herunter. Er sei "überhaupt nicht besorgt", dass dies auf eine breiter angelegte Abzugsbewegung hindeute. "Dänemarks Investitionen in US-Staatsanleihen sind – ebenso wie Dänemark selbst – irrelevant", sagte Bessent am Mittwoch in Davos. "Sie verkaufen seit Jahren Staatsanleihen." (mb/Bloomberg)