Die Wirtschaft erholt sich langsam von der Covid-19-Pandemie, und parallel dazu häufen sich die Anzeichen für eine Value-Wende. Davon ist Alexandra Morris, Chefanlagestrategin bei der Asset-Management-Boutique Skagen, in einer aktuellen Analyse überzeugt. "Ein Jahr nach dem weltweiten Einbruch und dem Absturz der Aktienmärkte signalisieren die Einführung von Impfstoffen und das Wiedererwachen der Wirtschaft Optimismus für eine anhaltende Erholung", sagt sie. Anleger zeigen ihren Optimismus, indem sie seit Monaten Value-Aktien stärker nachfragen – während die Nachfrage für Wachstumswerte zurückgeht. 

Die Frage ist, ob dieser Trend lange hält. Substanzstarke Aktien liegen noch immer hinter Wachstumsaktien zurück, zeigt eine Analyse der Ratingagentur Morningstar. Einige Experten, darunter Blackrock-Stratege Martin Lück, warnen davor, dass der Vorteil von Value-Aktien schwindet, falls die Zinsen weniger stark steigen als die Inflation. Morris sieht allerdings "starke Anzeichen dafür, dass die Rally der letzten Monate zu einer langfristigen Erholung werden könnte". Grund sei vor allem die angehobene Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Demnach soll das weltweite Bruttoinlandprodukt in diesem Jahr um 5,5 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um weitere 4,2 Prozent. 

Ideales Umfeld für Stockpicker  
Die Zuversicht der Anleger zeigt sich auch in der Nachfrage nach Aktien aus konjunktursensiblen Sektoren, etwa Banken, Energie, Rohstoffen, Konsumgütern oder Industrie. "Die Optimisten glauben, dass der Covid-Aufschwung die "Roaring 20s" widerspiegeln könnte", erklärt Morris. Gleichzeitig ist das derzeitige Umfeld ideal für Stockpicker, denn der Unterschied zwischen der Rendite einzelner Aktien sei derzeit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. "Das bedeutet, dass es nicht nur mehr Möglichkeiten gibt, den Markt zu schlagen, sondern dass auch die potenziellen Gewinne bei der Auswahl der richtigen Aktien größer ausfallen können." (fp)