Doubleline-Capital-Chef Jeffrey Gundlach richtet einige seiner Fonds auf das Extremszenario aus, dass die US-Regierung ihre Schulden als Reaktion auf eine mögliche künftige Rezession umstrukturieren könnte.

In einem Interview mit "Bloomberg TV" (Video im Anschluss) sagte Gundlach, die USA könnten sich eines Tages dafür entscheiden, höher verzinste Staatsanleihen von Gläubigern gegen Papiere mit niedrigeren Zinszahlungen über die gesamte Laufzeitenkurve auszutauschen. Ein solches Szenario sei allerdings unwahrscheinlich.

Fonds werden defensiver positioniert
Um einem solchen Schritt zuvorzukommen, hat Gundlach in einigen Portfolios, darunter im Flaggschiff-Fonds, höher verzinste Treasuries durch die jeweils am niedrigsten verzinsten Papiere derselben Laufzeit ersetzt.

Seine Sorge ist, dass die US-Regierung in dem Versuch, ihre Zinszahlungen während einer schweren Konjunkturabschwächung zu senken, einseitig die Kupons auf alle ausstehenden Schulden reduzieren könnte. Als Beispiel nannte er eine mögliche Senkung der Kupons von vier auf ein Prozent, ohne die Laufzeit der Schulden zu verändern. Dies sei "der ultimative Weg, das Problem immer weiter aufzuschieben".

Milliardenmarkt im Fokus
Als weltweit größter Markt für Staatsanleihen wäre eine US-Schuldenrestrukturierung ein finanzielles Beben mit Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Technische Zahlungsausfälle wurden zwar zeitweise im Zusammenhang mit Haushaltssperren in den USA diskutiert. Was Gundlach im Sinn hat, stellt jedoch eine extreme Form der Restrukturierung dar.

"Ich denke, was sie stattdessen tun werden, ist – wenn möglich – eine Umstrukturierung bei den bestehenden Gläubigern", sagte er. Sollte die Regierung so vorgehen, würden die Anleihekurse einbrechen, und die Regierung "dürfte dann über Generationen hinweg keine Kredite mehr aufnehmen, was eine Lösung für unsere Schuldenabhängigkeit wäre," fügte er hinzu.

Zahlungsausfall gilt als unwahrscheinlich
Die von der Öffentlichkeit gehaltenen US-Schulden sind auf fast 31 Billionen US-Dollar angewachsen und übersteigen damit die jährliche Wirtschaftsleistung. Ein Zahlungsausfall gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich. Die aus Credit-Default-Swap-Preisen abgeleitete Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses über fünf Jahre liegt nach von "Bloomberg" zusammengestellten Daten unter einem Prozent. Zwar sind die Renditen von Benchmark-Treasuries seit den Tiefständen während der Pandemie auf über vier Prozent gestiegen. Sie liegen aber weiterhin deutlich unter den zweistelligen Werten, die sie Anfang der 1980er Jahre erreichten.

Gundlach, dessen Doubleline fast 100 Milliarden Dollar in festverzinslichen und anderen Anlagen verwaltet, warnt seit einiger Zeit vor einer Abrechnung mit den US-Staatsschulden. Er räumte ein, dass ein solcher Plan für die US-Regierung schwer umzusetzen wäre: "Ich sage nicht, dass die Wahrscheinlichkeit bei 30 Prozent liegt. Aber was ist, wenn sie sagen: 'Wissen Sie was? Unsere Zinskosten liegen jetzt bei drei Billionen Dollar. Wir hatten eine Rezession. Die Zinsen sind gestiegen. Wir geben jetzt 30-jährige Anleihen zu sechs Prozent aus. Wir können uns das nicht leisten. Wir gehen hier unter.'" (mb/Bloomberg)