Den guten Konjunkturaussichten zum Trotz hält die US-Notenbank Federal Reserve weiter an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins verbleibt damit auf dem sehr niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent. An den Finanzmärkten war die Entscheidung genau so erwartet worden. Wie unter anderem das "Handelsblatt" und "Der Spiegel" berichten, hieß es am Mittwoch (28. April) in einer öffentlichen Mitteilung der Fed: Niedrige Zinsen seien "angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der langfristig niedrigen Inflationsrate angemessen".

Zeitgleich sehen die Währungshüter allerdings dank fortschreitender Impfkampagnen klare Erholungstendenzen bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Der US-amerikanische Häusermarkt boomt, der Einzelhandel profitiert von den Direkthilfen der Regierung. Vor allem der Arbeitsmarkt sendete im März positive Signale, wie das "Handelsblatt" berichtet. Er steht zurzeit im Zentrum der amerikanischen Geldpolitik. Wie US-Notenbankchef Jerome Powell betont, will er "substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung sehen, ehe er an der Zinsschraube dreht.

Höhere Leitzinsen frühestens 2023 möglich
Solange sich der Jobmarkt nicht mit großen Schritten der Vollbeschäftigung nähert, hält Powell eine Diskussion über eine mögliche Kehrtwende der Geldpolitik für verfrüht. Man werde die Öffentlichkeit allerdings mit ausreichend Vorlauf wissen lassen, wann eine solche Debatte angemessen sei, sagt er. Noch scheint die Notenbank eher gewillt, eine Inflationsrate von über zwei Prozent für eine gewisse Zeit zuzulassen, als die Zinsen anzuheben. Wie lange und wie stark Preissteigerungen sein dürfen, bevor die Fed letztlich einschreitet, ist aber unklar und sorgt für allerlei Spekulationen unter Anlegern.

Wie das "Handelsblatt" schreibt, gehen Analysten von Goldman Sachs davon aus, dass die US-Notenbank in der zweiten Jahreshälfte 2021 erste Anzeichen für einen Strategiewechsel senden könnte. Im kommenden Jahr könnte sie dann damit beginnen, ihre Anleihekäufe zurückzufahren. "Danach glauben wir, dass die Notenbank eine Pause von einem oder idealerweise zwei Quartalen einlegen wird, um die Auswirkungen zu beobachten", schreiben die Goldman-Ökonomen in einer Analyse. "Damit wäre eine Anhebung der Zinsen Mitte 2023 ein Thema." (fp)