Der US-Markt für Hochzinsanleihen steht vor einer gewaltigen Refinanzierungsaufgabe. Laut einer aktuellen Analyse des Asset Managers Barings werden rund 20 Prozent aller US-High-Yield-Anleihen innerhalb der kommenden drei Jahre fällig, weitere 22 Prozent in den darauffolgenden drei bis vier Jahren. Dennoch hält Barings die oft beschworene Maturity Wall für beherrschbar und sieht darin sogar zusätzliche Renditechancen für Investoren.

Übertriebene Bedenken
Zwar könnten dauerhaft höhere Zinsen die Refinanzierungskosten vieler Emittenten erhöhen und damit den Druck auf schwächere Schuldner verstärken. "Diese Bedenken sind durchaus real, könnten jedoch etwas übertrieben sein", heißt es in dem Kommentar. Der US-High-Yield-Markt sei heute qualitativ deutlich besser aufgestellt als in früheren Zyklen.

So entfielen mittlerweile 58 Prozent des Marktes auf Emittenten mit "BB"-Rating, nach 49 Prozent vor zehn Jahren. Gleichzeitig sei der Anteil besonders risikobehafteter "CCC"-Anleihen von 13 auf neun Prozent gesunken. Zudem seien viele Anleihen inzwischen besichert: Der Anteil besicherter Papiere liege bei 37 Prozent gegenüber lediglich 20 Prozent vor zehn Jahren.

Besonders relevant für die aktuelle Refinanzierungswelle: Im kurzfristig fälligen Segment spielt das riskante "CCC"-Universum laut Barings nur eine untergeordnete Rolle. Von den innerhalb der nächsten drei Jahre auslaufenden Anleihen seien lediglich rund drei Prozent dem "CCC"-Bereich zuzuordnen.

Quelle: Barings

Wenig Technologierisiken
Auch strukturelle Risiken im Technologiesektor sieht Barings begrenzt. Während Investoren zuletzt verstärkt die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Softwareunternehmen diskutierten, sei der Softwareanteil im US-High-Yield-Markt mit lediglich 3,8 Prozent vergleichsweise gering.

 

Quelle: Barings

Frühzeitige Refinanzierungen 
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Refinanzierungen bereits frühzeitig angegangen sind. Im Jahr 2025 seien rund 64 Prozent aller Neuemissionen zur Ablösung bestehender Verbindlichkeiten genutzt worden. Auch 2026 dominierten Refinanzierungen bislang den Markt. Mehr als die Hälfte aller Transaktionen diene diesem Zweck.

Für Anleger könnte genau daraus zusätzliches Ertragspotenzial entstehen. Barings verweist auf den sogenannten "Pull to Par"-Effekt: Werden Anleihen vor ihrer eigentlichen Fälligkeit refinanziert, können Kursabschläge schneller aufgeholt werden als klassische Renditekennzahlen erwarten lassen. Dadurch seien Zusatzrenditen von 50 bis 150 Basispunkten möglich.

Attraktive Renditen
Zugleich bleibt das Renditeniveau attraktiv. US-High-Yield-Anleihen rentieren derzeit laut Barings bei rund 6,9 Prozent. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Duration von etwa drei Jahren reagierten die Papiere zudem weniger empfindlich auf Zinsbewegungen als viele andere Rentensegmente.

Trotz des konstruktiven Gesamtbildes mahnt Barings jedoch zur Vorsicht. "Die Refinanzierungsrisiken variieren stark zwischen den einzelnen Emittenten", betont der Asset Manager. Gerade deshalb bleibe eine selektive Titelauswahl entscheidend. (dv)