US-Großbanken haben im ersten Halbjahr dank des boomenden Verbrauchergeschäfts erneut sehr gut verdient. Die nach Bilanzsumme zehn größten nordamerikanischen Kreditinstitute konnten ihren Gesamtgewinn um knapp 0,6 Prozent auf umgerechnet fast 70 Milliarden Euro erhöhen. Bei Europas zehn Top-Banken sank hingegen das Konzernergebnis um knapp sechs Prozent auf gut 26 Milliarden Euro. Das geht aus einer Analyse der Unternehmensberatung EY hervor. Es wurden die jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa verglichen.

Europa leidet unter Strafzinsen – USA frohlockt über Verbraucher
Sowohl beim Gewinn als auch bei der Profitabilität lassen demnach die großen US-Banken ihre europäischen Wettbewerber weit hinter sich. So ging die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity) der US-Banken zwar leicht von 13,4 auf 13,0 Prozent zurück. Die europäischen Institute verzeichneten aber einen noch stärkeren Rückgang auf einem ohnehin deutlich niedrigeren Niveau: von 7,1 auf 6,4 Prozent. "Die europäischen Banken leiden massiv unter dem historisch niedrigen Zinsniveau in Europa und den Strafzinsen für Einlagen, was die Zinserträge weiter schrumpfen lässt", erklärt Armin Schmitt, Leiter des Bereichs Financial Services Advisory und Partner bei EY Österreich.

Die Gewinnsituation in Europa sei weit entfernt vom Vorkrisenniveau und nicht zufriedenstellend. "Abschreibungen, Restrukturierungs- und Rechtskosten belasten die Bilanzen immer noch. Die höheren Zinsen auf dem US-Markt und die ausgeprägte Konsumbereitschaft der dortigen Verbraucher ermöglichen den dort tätigen Banken deutlich höhere Zinserträge, etwa aus dem Kreditkartengeschäft. Unterm Strich können sie trotz Schwächen im Wertpapierhandel nach wie vor Rekordgewinne erwirtschaften."

Neue Herausforderungen
Ungetrübt ist die Aussicht aber auch bei den US-Banken nicht. "In den USA zeigt die Zinskurve nach unten, was auch die Erträge aus dem derzeit noch boomenden Retailbanking bremsen wird. Bislang konnte das starke Verbrauchergeschäft die Schwächen im Investmentbanking kompensieren", so Schmitt. Hinzu kommen Sorgen vor einer Eintrübung der Aussichten für die US-Konjunktur. Die erwartete weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa stellt aber auch die europäischen Banken vor Herausforderungen. (eml)