Die US-Finanzaufsicht SEC hat ihren mit Spannung erwarteten Bericht zum Ende Januar einsetzenden Kaufrausch rund um die Gamestop-Aktie veröffentlicht. Das ernüchternde Ergebnis: Die Kursturbulenzen waren die Folge Hunderter organisierter Privatanleger, die quasi flashmob-artig gemeinsam Anteilscheine der Videospielkette gekauft hatten. Struktur und Mechanismen des Kapitalmarkts hätten einwandfrei funktioniert. Die Leerverkäufer wurden entlastet, politische Konsequenzen zieht die SEC keine. Darüber berichtet unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Der 44-seitige Bericht gewährt einen Einblick hinter die Kulissen des komplexen Börsenhandels in den USA und versucht, den Gamestop-Hype zu entmystifizieren. Der Verdacht, dass große Investoren mit Optionsgeschäften und der Deckung von Leerverkäufen ein ausschlaggebender Faktor waren, hat sich demnach nicht erhärtet. Die SEC erklärt diesen Aspekt als statistisch nicht relevant. Für die Kursexplosion sei schlichtweg entscheidend gewesen, dass die "Gamestop-Bullen" massenweise Aktien gekauft haben – nicht mehr und nicht weniger. 

Robinhood im Visier
Die SEC wirft in ihrer Untersuchung auch einen Blick auf Robinhood. Der bei amerikanischen Privatanlegern so beliebte Gratis-Online-Broker musste den Handel mit Gamestop-Aktien vorübergehend aussetzen. Robinhood hatte ob des Ansturms phasenweise nicht genügend Eigenkapital. Das befeuerte allerhand Verschwörungstheorien in den entsprechenden Online-Foren. Zu den Praktiken derartiger Broker und ihren Geschäftsmodellen hat die SEC eine Folgeuntersuchung angekündigt.

Zum Hintergrund: Die Papiere des Videospielhändlers Gamestop schnellten im Preis von 10 US-Dollar Mitte Dezember 2020 innerhalb eines Monats auf 483 US-Dollar. Kleinanleger organisierten sich in Online-Foren wie "Reddit", um durch gemeinsame Käufe den Kurs des angeschlagenen Videospielhändlers in die Höhe zu treiben und damit institutionellen Leerverkäufern eins auszuwischen. Anfang des Jahres wurden so 100 Millionen Gamestop-Aktien täglich gehandelt – ein Plus von 1.400 Prozent. Manch ein Hedgefonds, der mit Leerverkäufen auf fallende Kurse gewettet hatte, hat diesen "Meme-Hype" nicht überlebt. (fp)