Nahe 4.000 Dollar: Gold-Bären übernehmen das Ruder
Der Goldpreis bleibt unter Druck. Ein stärkerer US-Dollar, die Aussicht auf höhere Zinsen und ein nachlassender Inflationsschutz-Trade belasten das Edelmetall. Auch Silber setzt seine Talfahrt fort.
Der Goldpreis hat sich am Donnerstag (25.6.) nach der Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten stabilisiert, nachdem Marktteilnehmer ihre Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen leicht zurückgenommen hatten. Das Edelmetall bewegte sich nahe der Marke von 4.000 US-Dollar je Unze, nachdem es im Mittwochshandel (24.6.) erstmals seit November unter diese Schwelle gefallen war.
Starker Dollar belastet Edelmetalle
Der Bloomberg-Dollar-Index ist in dieser Woche um 0,8 Prozent gestiegen. Dadurch verteuern sich in US-Dollar gehandelte Edelmetalle für Käufer mit anderen Währungen. Auch Silber gab nach. Nach einem Rückgang von fast sieben Prozent am Mittwoch (24.6.) fiel der Preis erstmals seit Dezember unter die Marke von 60 Dollar je Unze.
"Gold sieht sich mit einer schwierigeren Kombination aus einer restriktiveren Neubewertung der Fed, höheren realen Renditen und technischem Schaden nach dem Fall unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar konfrontiert", sagte Christopher Wong, Stratege bei Oversea-Chinese Banking. "Das macht Erholungen vorerst anfällig für erneute Ausverkäufe."
Frühere Kurstreiber verlieren an Kraft
Gold verzeichnete in den vergangenen drei Jahren jeweils zweistellige Kursgewinne und hat seinen Wert mehr als verdoppelt. Dazu trugen Käufe von Zentralbanken, Vermögensverwaltern und Privatanlegern bei.
Bis Juni war der Goldpreis von seinem letzten Höchststand um mehr als 20 Prozent gefallen. Das gilt üblicherweise als Indikator eines Bärenmarktes. Zu den wichtigsten Belastungsfaktoren gehörte der Ausbruch des Kriegs zwischen den USA und dem Iran. Dadurch stiegen die Energiepreise und die Inflation wurde angeheizt.
Debasement-Trade verliert an Bedeutung
Ein weiterer wichtiger Treiber der früheren Goldhausse, der sogenannte Debasement-Trade, bei dem Anleger Vermögenswerte wie Gold und Bitcoin gegenüber Währungen bevorzugen, die durch übermäßige Staatsausgaben anfällig sind, hat ebenfalls an Dynamik verloren. Umfangreiche Investitionen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sowie die vergleichsweise günstige Energieposition der USA haben die Attraktivität des Dollars gegenüber energieimportierenden Volkswirtschaften in Europa und Asien gestärkt.
"Das Thema des zyklischen US-Exzeptionalismus überlagert das strukturelle Debasement-Thema", schrieb Nicky Shiels, Leiterin der Metallstrategie beim Handels- und Raffinerieunternehmen MKS PAMP. (mb/Bloomberg)















