Endlich ist es so weit: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern (14. Juli) ein Pilotprojekt für die Einführung einer eigenen Digitalwährung angekündigt. Zwei Jahre lang soll das Projekt laufen, bevor die Notenbank eine endgültige Entscheidung für oder gegen den Start eines digitalen Euros trifft. Sollte er tatsächlich kommen, wird er das Bargeld wohl nicht ersetzen. "Aber er verbindet die Sicherheit von Bargeld mit dem Komfort und dem Innovationspotenzial digitaler Bezahlmöglichkeiten", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment.

Der Ökonom ist überzeugt: Ein digitaler Euro garantiert Zugang zu sicherem Zentralbankgeld auch dann, wenn die Bargeldnutzung weiter abnimmt. Simultan würde das Zahlungsverkehrssystem widerstandsfähiger werden, wenn es mehr Kanäle des Bezahlens gibt. "Die Notenbank verfolgt keine Gewinnabsicht, ist gewissermaßen neutral und kann so einen freien Zugang zur Plattform digitaler Euro garantieren", sagt Zeuner. Auf dieser Plattform könnten dann auch private Akteure innovative Anwendungen schaffen.

Der Druck steigt
Die EZB macht sich mit dem Pilotprojekt auf den Weg in die Zukunft, meint Zeuner. Das geht auch mit Risiken einher. "Ohne Haltelimit könnten Guthaben sehr schnell von Bankkonten abgezogen und in sicheres Zentralbankgeld getauscht werden – so genannte 'Bank Runs' würden wahrscheinlicher. Das wäre fatal", warnt der Experte. Auch eine Verzinsung des digitalen Euros würde die Geschäftsbanken unter Druck setzen.

Andere Notenbanken schlafen nicht und haben ähnliche Projekte teilweise bereits lange vor der EZB gestartet. Die steht dadurch unter Zeitdruck und kann sich bei der Einführung des E-Euros keine Fehler erlauben. "Es geht um Vertrauen. Entsprechend hoch dürfte die Konzentration der Frankfurter Währungshüter auf dieses Projekt sein", sagt Zeuner. (fp)