Das Ergebnis der Europawahl setzt die amtierenden Regierungen auf dem Kontinent unter Druck. Vor allem in Großbritannien und Italien dürften die Spannungen zunehmen, glaubt Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement bei Union Investment. "Es droht ein Anstieg der politischen Unsicherheit auf zwei sehr kapitalmarktrelevanten Feldern, nämlich dem Brexit und der italienischen Haushaltskonsolidierung", sagt der Anlageprofi.

Auch in Frankreich seien nun verstärkt innenpolitische Spannungen zu erwarten: Marine Le Pen hat Staatspräsident Emmanuel Macron auf Platz zwei verwiesen und dessen Machtposition empfindlich geschwächt. Selbst in Deutschland, dem Hort der politischen Stabilität auf dem Kontinent, dürfte das Ergebnis Spuren hinterlassen. "Beide Volksparteien haben herbe Verluste erfahren", sagt Engels. Vor allem die SPD dürfte nun unter Druck geraten.

Europa braucht neue Weichenstellungen
Für die europäischen Kapitalmärkte ist das Wahlergebnis Weckruf und Belastung zugleich. Die Anlageregion wird angesichts der anhaltenden Unsicherheiten über den politischen Kurs Europas mit Bewertungsabschlägen gegenüber international vergleichbaren Investments leben müssen. "Es droht eine Populisten-Prämie", sagt Engels. Im Gegensatz zur Situation in den USA würde nämlich nicht nur ein populistisch agierender Präsident amtieren, sondern zahlreiche populistisch agierende Parteien. "Der Kontinent braucht politische Bewegung und neue Weichenstellungen, soll er wirtschaftlich erfolgreich und damit strategisch attraktiv für Investoren bleiben", so das Fazit des Anlagestrategen. (fp)