Die Inflation in Deutschland kletterte im November im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 30 Jahren. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate noch 4,6 Prozent betragen. Die Forderungen nach entsprechend höheren Zinsen werden lauter. Jedoch: "Rufe nach höheren Leitzinsen dürften angesichts der wieder steigenden Unsicherheit über den Verlauf des Corona-Winters eher auf taube Ohren stoßen", kommentiert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment. Die Zentralbanken wollen trotz der hohen Preise nicht riskieren, die ohnehin angeschlagenen Volkswirtschaften noch weiter zu belasten. 

Gründe für den Preisanstieg macht der Experte in der reduzierten Mehrwertsteuer, Basiseffekten infolge der Pandemie sowie explodierenden Energiepreisen aus. Zugleich gibt er Entwarnung: Der Preisauftrieb dürfte sich schon im nächsten Jahr wieder abschwächen. Der Corona-Winter verderbe so manchem die Kauflaune und das wiederum werde den Preisanstieg dämpfen. "Im ersten Halbjahr 2022 werden die Folgen der Mehrwertsteuersenkung und die statistischen Basiseffekte ebenfalls an Bedeutung verlieren", argumentiert Zeuner weiter. Union Investment rechnet dennoch mit einem Rückgang der Inflation auf unter zwei Prozent bis Ende 2022. (fp)