Die Tories haben die gestrigen Unterhauswahlen in Großbritannien (12. Dezember) gewonnen, Boris Johnson ist der Mann der Stunde. Damit ist der Weg frei für den Brexit, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment. Johnson interpretiert seinen Wahlsieg als Mandat für seinen neu ausgehandelten Deal mit der EU, analysiert Zeuner. "Parlamentarischer Widerstand gegen diesen Kurs ist unwahrscheinlich", sagt er. Großbritannien dürfte also spätestens zum 31. Januar 2020 tatsächlich aus der EU austreten.

Für Anleger sind das gute Nachrichten, sagt der Volkswirt – denn das Restrisiko eines harten Brexits ist nunmehr vom Tisch. Trotzdem wird der Vorgang die Börsen weiter beschäftigen, prognostiziert er. Im nächsten Schritt müssen nämlich das Vereinigte Königreich und die EU ihre Wirtschaftsbeziehungen neu verhandeln. Im Vergleich dazu waren die Austrittsverhandlungen "allerhöchstens ein leichter Aufgalopp", warnt Zeuner.

Britische Aktien werden wieder attraktiv
Letztlich dürfte sich bei den weiteren Gesprächen aber die Vernunft durchsetzen, sagt der Union-Investment-Ökonom. "Schließlich ist Johnson aufgrund seines deutlichen Wahlsiegs nicht mehr zwangsläufig auf jene Abgeordnete aus den eigenen Reihen angewiesen, die mit voller Vehemenz die Lossagung des Vereinigten Königreichs von der EU fordern." Zeuner sieht deshalb die Chance auf enge Wirtschaftsbeziehungen der Briten zur EU.

Sollte es so kommen, dürften das britische Pfund aufwerten und die Kurse britischer Aktien steigen. "Das ist ungewöhnlich, da die Londoner Börse normalerweise negativ mit der Währung korreliert ist", erklärt Zeuner. Wenn die Märkte die Chance auf enge Handelsbeziehungen einpreisen, könnten aber sowohl britische Unternehmen als auch das Pfund profitieren. "Das macht Aktienanlagen auf der Insel perspektivisch wieder attraktiv", so der Ökonom. Britische Staatsanleihen dürften im Gegenzug nachgeben. (fp)