Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat im August zum zweiten Mal in Folge nachgegeben. Er fiel sogar stärker als erwartet: von 100,7 auf 99,4 Punkte. Anleger sollten diese Entwicklung indes nicht als Vorzeichen eines kommenden Abschwungs lesen, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt beim genossenschaftlichen Fondsanbieter Union Investment. "Wir erwarten vielmehr eine Normalisierung des Wachstums auf hohem Niveau", erklärt er. Die Lage in den Unternehmen sei trotz eingetrübter Stimmung weiterhin gut.

Bei allem Optimismus sieht Zeuner mehrere Konjunkturrisiken. Eines davon sind Probleme bei den Lieferketten, die sich im verarbeitenden Gewerbe und im Handel bemerkbar machen. Immerhin: Dadurch vermeintlich entgangene Umsätze dürften sich dank der robusten Nachfrage lediglich nach hinten verschieben, analysiert Zeuner. Größere Sorgen bereitet ihm die Entwicklung in China, wo das Risiko Corona-bedingter Schließungen von Container-Terminals zuletzt gestiegen ist. Auch der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn trübt nach Einschätzung des Volkswirts die Geschäftsaussichten.

Corona und kein Ende
"Die Ausbreitung der Delta-Variante hinterlässt für Industrie und Handel bisher noch keine sichtbaren Spuren, ist aber natürlich ein Risiko", sagt Zeuner zudem. Seine Einschätzung: Solange die Zahl der Krankenhauseinweisungen im Rahmen bleibt, sollte es im Dienstleistungssektor weiterhin rund laufen. "Insgesamt ist der Rückgang des Ifo-Index ein Warnzeichen", resümiert der Union-Investment-Ökonom. "Anlass für übertriebene Sorge ist er jedoch noch nicht." (fp)