Europa ist wie ein Fahrrad – hält man es an, fällt es um. Dieser berühmte Satz des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors ist heute aktueller denn je, sagt Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement bei Union Investments. Viele Investoren hätten derzeit Angst, in ein "fallendes Fahrrad" zu greifen und blieben deshalb der Währungsunion fern. "Der Kontinent braucht politische Bewegung und neue Weichenstellungen, wenn er wirtschaftlich erfolgreich und damit strategisch attraktiv für Investoren bleiben will", sagt Engels.

Heute ist Europa nicht nur ein friedlicher, sondern auch ein wohlhabender Kontinent. Jedoch haben Ereignisse wie der Brexit, die Flüchtlingskrise oder die Italienwahl das Vertrauen in die Langlebigkeit der dahinter stehenden politischen Mechanik beschädigt. "Für viele Investoren ist es mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, dass die Integration erstens immer weitergeht und zweitens unumkehrbar bleibt", sagt Engels.

Alle Augen ruhen auf Brüssel
Vor diesem Hintergrund gewinnt die anstehende Europa-Wahl im Mai an Brisanz. Sollten populistische Parteien die Mehrheit an sich reißen, dürfte das die Sorgen vor einer marktfeindlichen Politik bestätigen. "Populistische Programmatiken beinhalten fast zwingend eine europakritische Haltung: Rückzug ins Nationale, Abschottung, Fragmentierung", sagt Engels. Zum ersten Mal seit der Premiere vor vierzig Jahren dürfte die Welt – und auch der Kapitalmarkt – bei einer Europawahl daher sehr genau hinschauen. (fp)