Die Aktienkurse haben sich seit ihrem Sturz im März deutlich erholt. Noch haben die Börsen die Covid-19-Pandemie aber nicht komplett verdaut, warnt Frank Engels, Leiter des Portfoliomanagements und Vorsitzender des Investment-Komitees bei Union Investment. "Kurzfristig bleiben die Kapitalmärkte anfällig", sagt er. Ein Großteil der Wirtschaftserholung, die die Experten des genossenschaftlichen Fondsanbieters erst für das zweite Halbjahr vorhersagen, sei in den aktuellen Börsenkursen bereits eingepreist. "Einen weiteren deutlichen Anstieg kann man erst erwarten, wenn das Coronavirus nachhaltig eingedämmt ist oder ein Impfstoff zur Verfügung steht", urteilt Engels.

Das Schlimmste dürfte indes vorüber sein, meint der Anlageexperte. "Es gibt unübersehbare Fortschritte, und zwar in vielen Regionen. Das ist wichtig, denn bei einer globalen Pandemie sind regionale Verbesserungen nie von Dauer", erklärt er. Sowohl in Asien als auch in Europa hat sich die Lage deutlich aufgehellt. "Das ist ein sehr gutes Zeichen", betont Engels. Andere Regionen stehen allerdings noch immer vor großen Herausforderungen im Virus-Management, darunter Indien, Russland und Brasilien. "Für eine Entwarnung ist es daher noch zu früh."

Krisen-Profiteure ins Depot
In diesem komplexen Anlageumfeld sieht Engels die größten Renditechancen bei Unternehmensanleihen mit guter Bonität sowie im Aktienbereich. "Bei Aktien sollte es eine gute Mischung von Unternehmen sein, die von den Folgen der Corona-Pandemie profitieren", rät er. Dazu zählt der Investmentprofi Firmen aus den Sektoren Onlinehandel, Digitaltechnik, Software und Gesundheit sowie gut geführte und nachhaltig profitable Großkonzerne aus anderen Branchen. "Für einen Fokus auf zyklischen Aktien halten wir die Zeit noch nicht gekommen", sagt er. Dafür müsste die Konjunktur noch mehr an Fahrt aufgenommen haben.

Im Rentensegment empfiehlt Engels neben Investment-Grade-Firmenbonds sorgfältig ausgewählte Hartwährungsanleihen solider Emittenten aus Schwellenländern. "Und auf der Währungsseite glauben wir, dass der US-Dollar in den nächsten Monaten graduell leicht abwerten sollte", sagt er. (fp)