Der Übergang in eine neue Dekade hat die Märkte kalt gelassen, die Aktienkurse rund um den Globus setzen den Aufwärtstrend des vergangenen Jahres ungestört fort. Die Unterzeichnung des Teil-Handelsabkommens zwischen China und den USA hat die Märkte sogar weiter beflügelt, sagt Salman Baig, Multi-Asset-Manager bei Unigestion. Viele Anleger fragen sich allerdings, ob auf die Rally bald ein Crash folgt, wie es etwa im Januar 2018 der Fall war. Baig hat auf diese Frage eine klare Antwort: Es ist zu früh, um jetzt schon aus Aktien auszusteigen.

Der Unigestion-Manager sieht derzeit trotz ähnlich starker Kursentwicklung keine deutlichen Parallelen zum Markteinbruch Anfang des Jahres 2018. Damals gab es Warnzeichen, sagt er – etwa ein über dem Trend liegendes Wirtschaftswachstum, das die Notenbanken zu einer Normalisierung der Geldpolitik drängte, sowie sehr hohe Aktienbewertungen und überoptimistische Anleger. "2020 sind viele dieser Signale nicht zu erkennen", sagt Baig.

Politische Risiken in den USA im Blick behalten 
Die anstehende Berichtssaison könnte den Aktienkursen noch einmal einen Schub geben, schätzt der Unigestion-Mann. "Die verhaltenen Erwartungen für das vierte Quartal 2019 sind ein fruchtbarer Boden für positive Überraschungen und höhere Aktienkurse", sagt er. Wer jetzt aussteigt, könnte also den Endspurt der laufenden Rally verpassen.

Investoren sollten allerdings nicht sorglos werden, mahnt Baig. "Wir beobachten aufmerksam das politische Risiko in den USA", erklärt er. Ein progressiver demokratischer Präsidentschaftskandidat wie Bernie Sanders oder Elizabeth Warren könnte die Kurse von US-Aktien belasten, weil Anleger ihre Erwartungen an die Rentabilität von US-Unternehmen dann neu bewerten würden. Der Anlageexperte behält zudem die Zentralbanken im Blick, denn eine weniger lockere Geldpolitik würde dann doch an den Januar 2018 erinnern. (fp)