Über Market Timing wurden Bücher verfasst. Eine hervorragende Wirkung entfalten sie offenbar, wenn man sie im Laden stehen lässt und das dadurch gesparte Geld zu einem "x-beliebigen" Zeitpunkt in einen Fonds investiert. Das zeigt eine Analyse des Finanzjournalistenforums.

Initiator Martin Kwauka hat darin analysiert, wie sich die in Österreich zum Vertrieb zugelassenen Publikumsfonds seit dem Börsencrash im September 2008 bis heute entwickelten. Das Ergebnis ist erstaunlich deutlich: In fast allen Kategorien hätte ein Anleger saftige Zuwächse verdient – nur an Mischfonds gibt es herbe Kritik.

Verdoppelung mit Weltaktienfonds
Wer im September 2008 für 10.000 Euro einen der in Österreich registrierten Weltaktienfonds kaufte, besitzt heute laut Erhebung im Durchschnitt 22.960 Euro. Der Einsatz hat sich also trotz der heftigen Anfangsverluste mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Jahresrendite in diesem Zeitraum liegt bei 8,66 Prozent. Von 320 ausgewerteten Weltaktienfonds liegen nach zehn Jahren alle bis auf zwei im Plus. Ausgewertet wurden alle auf der Analyseseite "morningstar.at" gelisteten Privatanlegerfonds, die seit zehn Jahren bestehen.

In einem durchschnittlichen Europaaktienfonds hätte sich der Einsatz auf 19.230 Euro noch fast verdoppelt. Eine Rendite von 6,76 Prozent pro Jahr ist mehr als ansehnlich. In diesem Segment liegt von 305 gewerteten Fonds nur ein einziger im Minus.

Noch sehenswerter ist das Ergebnis bei den Technologie-Aktienfonds. Dort hätte man nämlich sein eingesetztes Kapital mehr als vervierfachen können. Und wer in US-Aktien investiert hat, kann sich über mehr als eine Verdreifachung freuen. Beobachtungszeitraum war zwischen dem 4. September 2008 und dem 4. September 2018. Die Daten sind gerechnet vor Steuern und ohne etwaige Spesen wie Ausgabeaufschläge und Depotgebühren).

Mischfonds schwach
Auffällig hingegen ist das relativ schwache Abschneiden von Mischfonds. Sowohl die ausgewogenen als auch die defensiven Mischfonds mit typischen Aktienquoten zwischen 20 und 35 Prozent schnitten im Durchschnitt schlechter ab als Euro-Anleihefonds. Martin Kwauka: "Im Bereich Mischfonds gibt es sehr viele mit überhöhten Kosten, die sehr viel Ertrag gefressen haben. Gerade bei dieser aktuell beliebtesten Anlagekategorie ist ein Vergleich der langfristigen Ertragsentwicklung und der Kosten wichtig."

Durchwegs positiv ist hingegen das Zehn-Jahres-Ergebnis von Sparplänen, bei denen Fondsanteile mit konstanten Raten von 100 Euro im Monat gekauft wurden. Hier beträgt das durchschnittliche Ergebnis eines Weltaktienfonds bei insgesamt 12.000 Euro Einzahlung heute 17.731 Euro, das entspricht einer Rendite pro Jahr von 7,6 Prozent vor Steuern. Bei Europaaktienfonds hat sich der gleiche Einsatz auf 16.834 Euro vermehrt. Das entspricht 6,6 Prozent pro Jahr. (Quelle dieser Auswertung ist der deutsche Fondsverband BVI, der Fonds deutscher Fondsgesellschaften untersucht hat. Beobachtungszeitraum ist zwischen 1. Juli 2008 und 30. Juni 2018. Bei diesen Werten wurde der Ausgabeaufschlag bereits abgezogen).

"Der größte Feind des Investors ist er oft selber"
Die meisten österreichischen Anleger hätten nur wenig oder gar nicht vom Börsenaufschwung profitiert, weil sie nach der Lehman-Pleite Aktien verkauft haben und seit dem in Spareinlagen veranlagt sind, meinte Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank, bei der Präsentation der Analyse. "Der größte Feind des Investors ist er oft selber. Er versucht, Market Timing zu machen und den optimalen Einstiegs- und Verkaufszeitpunkt zu erwischen. Das gelingt aber niemandem, da alle Prognosen für die Zukunft zu unsicher sind. Und zu allem Unglück wird sogar ausgerechnet dann verkauft, wenn auch alle anderen Kasse machen wollen", so Veyder-Malberg.

Er empfiehlt Strategie statt Emotionen: Jeder solle entsprechend seinem Risikoempfinden eine Aktienquote festlegen und an dieser langfristig festhalten. "Wer zum Beispiel konstant 25 Prozent Aktienquote einhält, würde automatisch nach einer Korrektur der Aktienmärkte nachkaufen und umgekehrt in einer Boomphase der Börsen Gewinne mitnehmen. Dadurch wird langfristig der Ertrag stabilisiert", so der Experte. (eml)

Die Ergebnisse von 10.000 Euro Investment für wichtige Morningstar-Fondskategorien im Überblick (4. September 2008 bis 4. September 2018):

Technologie-Aktien:                                     40.980 Euro

Aktien USA (Standardwerte Blend):           32.080 Euro

Aktien weltweit (Standardwerte Blend):    22.960 Euro

Aktien Asien-Pazifik (mit Japan):               22.840 Euro

Finanz-Aktien:                                               19.510 Euro

Aktien Europa (Standardwerte Blend):      19.230 Euro

Aktien Schwellenländer:                              19.060 Euro

Aktien Österreich:                                         16.840 Euro

Mischfonds ausgewogen, global:               14.110 Euro

Euro-Anleihefonds:                                       13.750 Euro

Mischfonds defensiv, global:                       12.750 Euro

Rohstoff-Aktien:                                             11.790 Euro

Aktien Osteuropa:                                           11.750 Euro