Als Reaktion auf die immer niedrigeren Renditen solider Anleihen weichen unabhängige Vermögensverwalter verstärkt auf andere Anlageklassen aus. Das geht aus einer Umfrage der Technischen Hochschule Aschaffenburg hervor, an der sich mehr als jeder dritte Vermögensverwalter in Deutschland beteiligte. Die Ergebnisse liegen FONDS professionell ONLINE vor.

36 Prozent der Teilnehmer gaben zu Protokoll, als Antwort auf die Niedrigzinsphase die Anleihenquote in den Portfolios ihrer Kunden zu reduzieren und stattdessen auf Liquidität, Gold oder Hedgefonds-Strategien zu setzen. 35,2 Prozent antworteten, sie würden ganz oder teilweise auf bonitätsschwächere Anleihen ausweichen, um eine höhere Verzinsung zu erreichen.

Vom Erwerb von Anleihen mit längerer Restlaufzeit, die ebenfalls ein Renditeplus versprechen, sehen die meisten Vermögensverwalter dagegen ab – nur vier Prozent wählten diese Antwort. 8,8 Prozent der unabhängigen Finanzprofis gaben an, im Anleihenteil der Kundenportfolios wegen der Niedrigzinsphase keine Änderungen vorgenommen zu haben. Sie setzen weiterhin auf bonitätsstarke Papiere, selbst wenn damit ein Negativzins verbunden sein sollte.

Insgesamt sinkt die Anleihenquote leicht
Die Ergebnisse zeigen, dass die Notenbankpolitik den Vermögensverwaltern eine schwierige Entscheidung aufzwingt. Reagieren sie nicht, wirft der Sicherheitsbaustein in den Kundenportfolios womöglich eine negative Rendite ab. Weichen sie dagegen auf Papiere schwächerer Bonität oder längerer Laufzeit respektive auf andere Anlageklassen aus, setzen sie ihre Mandanten einem höheren Risiko aus.

Das Institut für Vermögensverwaltung (InVV) an der Hochschule Aschaffenburg hat die Antworten auch nach Größenklasse ausgewertet (siehe Grafik unten). Daraus wird deutlich, dass insbesondere die großen Anbieter auf Rentenalternativen wie Hegde-Fonds-Strategien setzen. Die kleineren Häuser halten eher an ihrer etablierten Strategie fest.

Insgesamt gaben die unabhängigen Vermögensverwalter bei der aktuellen InVV-Erhebung an, 24,1 Prozent des Kundengeldes in Anleihen oder Rentenfonds investiert zu haben. In der Vorjahresumfrage lag diese Quote noch bei 25,3 Prozent. (bm)

Grafik: FONDS professionell; Quelle: InVV Institut für Vermögensverwaltung, TH Aschaffenburg, 2020