Das vergangene Halbjahr hielt für Investoren einige Überraschungen bereit. Auslöser der dramatischen Kurseinbrüche rund um die Welt und binnen weniger Tage war eine toxische Mischung aus Gewinnwarnungen zahlreicher Unternehmen, gekürzten Wachstumsprognosen für die Wirtschaft und der schlechten Stimmung vieler Manager und Ökonomen. Sie sehen eine globale Rezession als unvermeidlich. Wie heimische Anleger die Achterbahnfahrt erlebten, brachte der Österreichische Verband Financial Planners im Juli 2020 mit einer Erhebung in Erfahrung. Insgesamt wurden 397 zertifizierte Finanzplaner quer durch Österreich zu den Reaktionen ihrer Kunden während der Covid-19-Krise befragt.

92 Prozent der befragten Finanzplaner gaben an, während der Covid-19-Krise zumindest gelegentlich von Kunden kontaktiert worden zu sein, um Zuzahlungen in Veranlagungsformen mit höherem Aktienanteil vorzunehmen. "Die Österreicher sind dafür bekannt, fleißige Sparer zu sein, aber eher auf renditeschwache Anlageformen wie das Sparbuch zu setzen", sagt Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Financial Planners und Vorstand der Schoellerbank. "Wir beobachten, dass der Aktienanteil steigt. Es ist allerdings noch viel Aufklärungsarbeit im Bereich der Finanzbildung erforderlich, um zu verdeutlichen, dass die Börse auch für den Durchschnittsösterreicher Chancen bietet", berichtet Siegler.

Anleger haben kühlen Kopf bewahrt
Wenige Finanzplaner (36 %) wurden von ihren Kunden seit dem Lockdown im März kontaktiert, um Notverkäufe von Veranlagungspositionen vorzunehmen. Siegler zufolge ist das ein Indiz dafür, dass Österreicher sattelfester in Geldfragen werden. "Anleger haben größtenteils einen kühlen Kopf bewahrt und keine emotionalen Kurzschluss-Entscheidungen getroffen. Diese Entwicklung hin zum mündigen Konsumenten ist eine Bestätigung unserer Arbeit als Verband", sagt er. (mb)