Der Preis der Nordsee-Referenzsorte Brent könnte im vierten Quartal auf mehr als 120 US-Dollar je Barrel steigen, falls die Störungen in der Straße von Hormus anhalten. Das erklärte Goldman Sachs, betonte jedoch, dass dies nicht das Basisszenario der Investmentbank sei.

Eine Eskalation im Nahen Osten und ein Rückgang der geschätzten Ölströme aus dem Persischen Golf auf weniger als 45 Prozent des Vorkriegsniveaus würden die Preise wieder steigen lassen, schrieben Analysten um Daan Struyven in einer Mitteilung vom Montag (20.7.).

Derzeit erwartet Goldman Sachs für Brent im vierten Quartal einen Preis von 80 Dollar je Barrel und für das kommende Jahr 75 Dollar. Diese Prognose basiert auf einer Deeskalation im Nahen Osten. Die Risiken für diese Vorhersagen seien jedoch "nach oben gerichtet", insbesondere wegen möglicher Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sowie möglicherweise auch im Roten Meer.

Angespannter Ölmarkt
Die globalen Energiemärkte wurden in diesem Monat erschüttert. Brent stieg zeitweise wieder über 91 Dollar je Barrel. Auslöser sind die erneuten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran sowie die Drohung der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen, Lieferungen aus Saudi-Arabien zu blockieren. Transporte über das Rote Meer sind entscheidend, damit gestörte Rohöllieferungen aus dem Persischen Golf ihre Abnehmer erreichen.

Niedrigere globale Lagerbestände im zweiten Quartal haben den Ölmarkt anfälliger für Angebotsschocks gemacht. Gleichzeitig könnten ein Rückgang der chinesischen Importe und eine höhere Nachfrageelastizität mögliche Preisanstiege begrenzen, so die Analysten.

Empfehlung für Investoren
Für Investoren, die sich gegen anhaltende geopolitische Schocks aus dem Nahen Osten sowie aus Russland absichern wollen, empfiehlt Goldman eine Long-Strategie auf den europäischen Diesel-Timespread von Dezember 2026 bis März 2027.

Die Dieselmärkte waren bereits vor dem Krieg sehr angespannt. Die Ukraine greift weiterhin russische Raffinerien an. Zusätzliche Risiken für die Versorgung ergeben sich durch Hurrikans, extreme Sommerhitze und verschobene Wartungsarbeiten an Anlagen.

Zuletzt lag der Preis für Brent-Futures bei 88,54 Dollar je Barrel. In der Anfangsphase des Konflikts zwischen den USA und dem Iran erreichte er Ende April einen Höchststand von über 126 Dollar. (mb/Bloomberg)