Das Thema Nachhaltigkeit, allen voran in Form von ESG-Investments, hat sich längst zum Anlagetrend entwickelt. Dabei fehlt es der Finanzbranche noch an einheitlichen Standards und entsprechender Regulierung. Genau die seien jedoch entscheidend, sagt Christine Novakovic, Europachefin der UBS, im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Bislang seien zu viele Anbieter unterwegs, die sich nur einen grünen Anstrich geben.

"Wenn Anleger das Gefühl bekommen, dass gemauschelt wird, dass jemand ihr gutes Gewissen ausnutzt, haben wir als Industrie ein Problem." Nachhaltigkeit sei kein Marketing-Gag, sondern das Zukunftsthema schlechthin. "Die Finanzindustrie insgesamt hat leider die Chance verpasst, das Thema frühzeitig zu besetzen", räumt Novakovic ein. Die Branche benötigt ihrer Meinung nach deshalb nun dringend globale Standards. "Die lassen keinen Platz für Möchtegern-Weltretter", sagt die UBS-Europachefin. 

Kern des Problems sei, dass bis heute keine Einigkeit darüber herrscht, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet. "Für mich hat Nachhaltigkeit mit Langfristigkeit und mit Bewahren zu tun und damit, dass wir so vorgehen, dass wir einen besseren Zustand hinterlassen, als wir vorgefunden haben", sagt Novakovic. Sie glaubt, dass viele sehr naiv auf das Thema blicken. Die Wenigsten würden sich Gedanken darüber machen, was ein gemeinsamer Klimaschutz eigentlich bedeutet. Und dennoch: "Wir glauben, dass sich nachhaltige Anlagen für Privatkunden als eine der attraktivsten Investitionsmöglichkeiten dieser und auch der kommenden Jahrzehnte erweisen werden."

Ein Plan muss her
Die Finanzexpertin fordert von der Branche diesbezüglich mehr als bloße Lippenbekenntnisse. "Es ist mehr Geld im Markt, als nachhaltige Projekte verfügbar sind", sagt Novakovic. Dabei müsse man genau hinschauen, wovon man spricht: "Mir ist aktuell kein börsennotiertes Unternehmen bekannt, dessen Wertschöpfung bereits heute zu hundert Prozent nachhaltig ist oder die komplette Bandbreite der ESG-Kriterien erfüllt."  (fp)