UBS setzt trotz Rekordhoch weiter auf Europa-Aktien – und Deutschland
Der Stoxx Europe 600 hat ein neues Rekordhoch erreicht und 2026 bereits kräftig zugelegt. Dennoch sieht das Chief Investment Office der UBS weiteres Potenzial. Deutschland zählt dabei zu den bevorzugten Märkten der Strategen.
Seit Jahresbeginn hat das europäische Börsenbarometer Stoxx Europe 600 bereits rund elf Prozent zugelegt. Das Chief Investment Office der UBS bleibt dennoch zuversichtlich. "Wir halten europäische Aktien für attraktiv, betonen nach dem starken Kursanstieg aber die Notwendigkeit einer selektiven Auswahl", schreiben die Strategen um Global CIO Mark Haefele. Innerhalb Europas favorisieren sie Banken, Gesundheitswerte, Industrieunternehmen, zyklische Konsumtitel und den deutschen Aktienmarkt.
Gewinne sollen kräftig steigen
Ein wesentlicher Grund für den Optimismus ist die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Die Konzerne im Stoxx Europe 600 dürften ihre Gewinne im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent steigern. Das wäre das stärkste Wachstum seit 2022. Zu den bisherigen Spitzenreitern zählen Banken, aber auch Technologie- und Energieunternehmen hätten einen wichtigen Beitrag geleistet.
Viele europäische Großunternehmen verfügen laut UBS über globale Einnahmequellen und starke Marktpositionen. Zudem profitieren sie von Investitionen außerhalb ihrer Heimatmärkte. Dadurch könnten ihre Gewinne deutlich schneller wachsen als die europäische Wirtschaft.
Auch für die weitere Entwicklung zeigt sich die Großbank zuversichtlich. "Wir erwarten, dass die Unternehmensgewinne im Euroraum nach drei Jahren der Stagnation wieder wachsen und 2026 und 2027 zusammengenommen um rund 25 Prozent steigen", schreiben Haefele und sein Team.
Deutschland mit zentraler Rolle
Zusätzlichen Rückenwind verspricht sich die UBS von einem längerfristigen Investitionszyklus. Regierungen und Unternehmen erhöhen demnach ihre Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur, künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Automatisierung, Elektrifizierung und Energiesicherheit. Davon könnten ausgewählte Industrie-, Technologie-, Finanz- und Konsumunternehmen profitieren.
Besondere Bedeutung messen die Strategen Deutschland bei. "Deutschland dürfte mit höheren Staatsausgaben und Reformen zur Verbesserung des Geschäftsumfelds eine zentrale Rolle spielen", heißt es in der Analyse.
Gleichzeitig sieht die UBS erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Die Geschäftsaktivität im Euroraum kehrte im Juli ins Wachstum zurück. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe legte so kräftig zu wie seit März 2022 nicht mehr, während die Auftragseingänge den stärksten Anstieg seit April 2023 verzeichneten. Auch die Beschäftigung nahm erstmals in diesem Jahr wieder zu. Dies deute darauf hin, dass der Industriezyklus allmählich seinen Tiefpunkt erreichen könnte.
Anleger suchen Alternativen zu US-Tech
Unterstützung erhält der europäische Aktienmarkt nach Einschätzung der UBS zudem durch den Wunsch vieler Anleger nach einer breiteren Diversifikation. Europäische Unternehmen könnten Investoren die Möglichkeit bieten, an globalen Trends und am strukturellen Investitionszyklus der Region zu partizipieren und zugleich die starke Konzentration auf US-Technologiewerte zu reduzieren. (dv)















