Anleger laufen Gefahr, mit ihren Erwartungen an eine gemeinsame Reaktion großer Zentralbanken auf einen möglichen langwierigen Krieg im Iran falsch zu liegen. Darauf weist UBS-Chefstratege Bhanu Baweja hin.

"Die Märkte preisen das so ein, als wäre es wie 2022, als man alle Zentralbanken gemeinsam bewertet hat – dabei ist die Situation eine ganz andere", sagte Baweja in einem Interview mit "Bloomberg TV". Wahrscheinlicher sei ein "asymmetrisches" Szenario, in dem Europäische Zentralbank, US-Notenbank und Bank of England unterschiedlich reagieren.

Zweifel an neuem Zinserhöhungszyklus
Vor allem US-Staatsanleihen und britische Gilts spiegelten unrealistische Erwartungen wider, dass Inflationsdruck die Notenbanken zu einem neuen Zinserhöhungszyklus wie 2022 treiben werde, so Baweja.

Seit dem Ausbruch des Kriegs Ende Februar hätten die Märkte ihre Erwartungen für Zinserhöhungen in den großen Volkswirtschaften deutlich ausgeweitet, was die Renditen von Staatsanleihen nach oben getrieben habe.

Chancen am kurzen Ende
Investoren, die gegen den Marktkonsens setzen, könnten insbesondere bei kurzlaufenden Anleihen profitieren, wo die Renditen am stärksten gestiegen sind, argumentiert Baweja.

Die Störungen auf den Energiemärkten dürften eher die Konjunktur belasten und Zentralbanken davon abhalten, durch Zinserhöhungen das Wachstum zusätzlich zu dämpfen. "An den Rentenmärkten entsteht am kurzen Ende Wert, insbesondere im Vereinigten Königreich und in den USA", sagte Baweja.

Renditeanstieg bei europäischen Anleihen
Europäische Staatsanleihen gaben am Dienstag (7.4.) nach, wobei vor allem kürzere Laufzeiten unter Druck standen, da Geldmärkte ihre Erwartungen an eine restriktivere Geldpolitik ausweiteten. Die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen stieg um sechs Basispunkte auf 2,68 Prozent. Auch US-Anleihen verzeichneten über alle Laufzeiten hinweg Verluste.

Geopolitik bleibt Unsicherheitsfaktor
Die Märkte balancierten zwischen Signalen einer möglichen Entspannung im Nahen Osten und Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die Angriffe auf iranische Infrastruktur zu verschärfen, sollte bis zu seiner Frist am Dienstag (7.4.) um 20 Uhr US-Ostküstenzeit (8.4., 2:00 Uhr MESZ) keine Einigung erzielt werden.

Selbst im Fall einer raschen Entspannung des Konflikts sind Anleihen laut Baweja gut positioniert: "Wenn sich die Lage gut entwickelt, wird der Rentenmarkt – insbesondere am kurzen Ende – deutlich stärker profitieren, als er im negativen Szenario verlieren würde." (mb/Bloomberg)