Etwas mehr als einen Monat nach seinem Rekordstand hat Bitcoin seinen mehr als 30-prozentigen Jahresgewinn wieder abgegeben. Die Euphorie über die krypto­freundliche Haltung der Trump-Administration ist verflogen. Die Kryptowährung fiel am Sonntag (16.11.) unter 93.714 US-Dollar und damit unter das Niveau vom Jahresende 2024, als die Märkte nach dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump stark gestiegen waren. 

Am 6. Oktober hatte Bitcoin mit 126.251 Dollar einen Rekord erreicht, begann jedoch vier Tage später zu fallen, nachdem unerwartete Zolläußerungen Trumps weltweit Kursrückgänge ausgelöst hatten. Am Montagmorgen (17.11.) in Singapur notierte Bitcoin wieder bei 94.869 Dollar.

"Kanarienvogel im Kohlebergwerk"
"Der Markt insgesamt meidet derzeit Risiken", sagte Matthew Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise Asset Management in San Francisco. "Krypto ist der Kanarienvogel im Kohlebergwerk gewesen – der erste Markt, der gezuckt hat."

In den vergangenen Wochen haben sich viele der größten Käufer – von ETF-Allokatoren bis hin zu Unternehmens-Treasurys – zurückgezogen. Damit fehlt dem Markt jener Kapitalfluss, der den Kurs zu Jahresbeginn auf Rekordstände getrieben hatte. Parallel dazu belastet die Abkühlung hochbewerteter Technologiewerte die allgemeine Risikobereitschaft.

Schleichender Rückzug der Investoren
Über den Großteil des Jahres waren institutionelle Anleger ein wesentlicher Stabilitätsfaktor für Bitcoin. Laut Daten der Nachrichtenagentur "Bloomberg" flossen in ETF-Produkte mehr als 25 Milliarden Dollar, wodurch das verwaltete Vermögen im Segment auf rund 169 Milliarden Dollar stieg. Diese Zuflüsse stärkten zeitweise das Bild eines digitalen Portfoliostabilisators. Doch diese Erzählung bekommt erneut Risse: Der Markt sieht sich einem schleichenden Rückzug der Investoren gegenüber.

Mehrere Faktoren treiben den Ausverkauf
"Der Ausverkauf ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Gewinnmitnahmen durch Langzeitinvestoren, institutionellen Abflüssen, makroökonomischer Unsicherheit und der Liquidation gehebelter Long-Positionen", sagte Jake Kennis, Analyst bei der Blockchain-Finanzanalyseplattform Nansen. "Klar ist, dass sich der Markt nach einer langen Phase der Seitwärtsbewegung vorübergehend für die Richtung abwärts entschieden hat."

Auch Ethereum unter Druck
Ethereum fiel am Montag im Tagestief knapp über die Marke von 3.000 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juli. Zum Jahresbeginn lag der Ether-Preis noch bei rund 3.300 Dollar. (mb/Bloomberg)