US-Präsident Donald Trump deutete an, dass Jerome Powell seine verbleibende Zeit im Board of Governors der Federal Reserve nicht genießen würde, sollte er nach dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender dort verbleiben. Es ist die jüngste Attacke Trumps auf den Chef der US-Notenbank.

"Wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt", sagte Trump in einem in Davos geführten Interview mit "CNBC", das am Mittwoch (21.1.) ausgestrahlt wurde. Auf die Frage, ob Powell bis 2028 als Fed-Gouverneur im Amt bleiben könnte, erklärte Trump, der derzeit nach einem neuen Vorsitzenden sucht: "Wenn das passiert, wird sein Leben, glaube ich, nicht sehr, sehr glücklich sein."

 

Subpoenas und politische Spannungen
Die Trump-Regierung hat ihren Kampf gegen den amtierenden Fed-Chef zuletzt intensiviert und Vorladungen ausgestellt, die auf mögliche strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit der Renovierung der Fed-Zentrale in Washington hindeuten. Powells entschiedene Zurückweisung der Untersuchung – er sprach von einem Versuch "politischen Drucks" – hat Spekulationen befeuert, wonach er auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai im Board bleiben könnte.

In diesem Fall würde Powell voraussichtlich weiterhin erheblichen Einfluss auf geldpolitische Entscheidungen bei der weltweit mächtigsten Zentralbank behalten.

Begrenzter Spielraum für Trump
Ein Verbleib Powells würde Trump zudem eine weitere Vakanz im Board of Governors nehmen. Sofern nicht ein amtierender Gouverneur zum nächsten Vorsitzenden ernannt würde, müsste das Weiße Haus den derzeit von Gouverneur Stephen Miran besetzten Posten nutzen, um Trumps Kandidaten in der Notenbank zu platzieren.

Miran, der derzeit unbezahlten Urlaub von seiner Tätigkeit als wirtschaftspolitischer Chefberater des Präsidenten nimmt, wurde für eine Amtszeit bestätigt, die in diesem Monat endet, kann jedoch bis zu seiner Ablösung im Amt bleiben.

Suche nach neuem Fed-Chef nähert sich dem Ende
Trumps monatelange Suche nach einem neuen Fed-Vorsitzenden scheint sich dem Ende zu nähern. Am Mittwoch sagte der Präsident, er habe die Liste der Kandidaten deutlich verkürzt – Beobachter sprechen von einem Vier-Personen-Rennen. "Ich würde sagen, wir sind bei drei, aber eigentlich sind wir bei zwei – und in meinem Kopf sind wir wahrscheinlich schon bei einem", sagte Trump.

Als finale Kandidaten gelten Blackrock-Manager Rick Rieder, der Direktor des National Economic Council Kevin Hassett, Fed-Gouverneur Christopher Waller sowie der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Die Suche wurde von US-Finanzminister Scott Bessent geleitet.

Hassett verliert an Boden, Rieder gewinnt
Hassett galt zuvor als Favorit, doch Trump äußerte vergangene Woche Bedenken, dass ein Wechsel Hassett als wichtigen wirtschaftspolitischen Kommunikator seiner Regierung fehlen lassen würde – eine Sorge, die er am Mittwoch erneut betonte. "Ich mag es eigentlich, ihn dort zu behalten, wo er ist", sagte Trump.

Rick Rieder, Chief Investment Officer für globale Anleihen bei Blackrock, hat nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen zuletzt an Momentum gewonnen und gilt als potenziell leichter bestätigungsfähig.

Bestätigungsprozess unter Druck
Die Vorladungen der Trump-Regierung an die Fed könnten allerdings die Bestätigung eines neuen Fed-Chefs erschweren. Der republikanische Senator Thom Tillis, Mitglied des Bankenausschusses des Senats, kündigte an, jede Nominierung für die Notenbank blockieren zu wollen, solange der Fall nicht geklärt ist.

Trump wies entsprechende Sorgen im "CNBC"-Interview mit einem lapidaren "egal" zurück. "Er wird nicht mehr allzu lange Senator sein", sagte Trump mit Blick auf Tillis, der in diesem Jahr nicht zur Wiederwahl antritt. (mb/Bloomberg)