Trump droht China – und reicht zugleich die Hand
US-Präsident Donald Trump zeigt sich offen für eine Einigung mit China, um die neuen Handelsspannungen zu entschärfen – droht aber zugleich mit neuen Zöllen. Peking warnt vor Gegenmaßnahmen, während Märkte nervös auf die Eskalation reagieren.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag (12.10.) ihre Offenheit für eine Einigung mit China betont, um die jüngsten Handelsspannungen zu mildern. Gleichzeitig warnte Washington, dass die von Peking eingeführten Exportkontrollen ein erhebliches Hindernis für weitere Gespräche darstellen könnten.
Vizepräsident Vance fordert "Weg der Vernunft"
Vizepräsident J.D. Vance forderte China auf, "den Weg der Vernunft zu wählen". Trump verfüge im Falle eines anhaltenden Konflikts über "mehr Hebel", so Vance weiter.
Auf "Truth Social" veröffentlichte der Präsident selbst einen Beitrag, in dem er Chinas Staatschef Xi Jinping sowohl eine offene Hand als auch eine subtile Drohung entgegenbrachte: "Macht euch keine Sorgen um China, alles wird gut! Der hoch angesehene Präsident Xi hatte nur einen schlechten Moment. Er will keine Depression für sein Land, und ich auch nicht. Die USA wollen China helfen, nicht schaden!!!"
Druck auf Peking – und Beruhigung für die Märkte
Trumps und Vances Aussagen deuten darauf hin, dass die USA weiter Druck auf China ausüben wollen, um eine Rücknahme der Exportbeschränkungen zu erreichen – während sie gleichzeitig versuchen, die verunsicherten Märkte zu beruhigen.
Ökonomen von Goldman Sachs um Jan Hatzius und Andrew Tilton sehen in den jüngsten politischen Signalen "eine breitere Palette möglicher Ergebnisse" als zuvor. "Das wahrscheinlichste Szenario scheint zu sein, dass beide Seiten von den aggressivsten Maßnahmen abrücken und die Gespräche zu einer weiteren – möglicherweise unbegrenzten – Verlängerung des im Mai vereinbarten Zollfriedens führen", schrieben die Analysten.
Leichte Erholung in Sicht
Am Freitag (10.10.) hatten Aktien, Öl und Kryptowährungen deutlich nachgegeben, nachdem ein Social-Media-Beitrag Trumps Befürchtungen über neue Zollmaßnahmen geschürt hatte. Er hatte angekündigt, auf Chinas Exportbeschränkungen für seltene Erden und andere Güter zu reagieren.
Am Montag (13.10.) zeigten sich die US-Futures nach den jüngsten Kommentaren des Präsidenten jedoch wieder fester.
"Heikler Balanceakt"
Vizepräsident Vance beschrieb die Lage in einem Interview mit "Fox News" als "laufende Verhandlung". "Es wird ein heikler Balanceakt werden – und vieles wird davon abhängen, wie die Chinesen reagieren", sagte er. "Wenn sie sehr aggressiv reagieren, garantiere ich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weit mehr Karten in der Hand hat als die Volksrepublik China. Wenn sie sich jedoch vernünftig zeigen", fügte er hinzu, "würden die USA das auch sein".
China warnt vor Gegenmaßnahmen
Das chinesische Handelsministerium reagierte mit scharfer Kritik: "Bei jeder Gelegenheit mit hohen Zöllen zu drohen, ist nicht der richtige Weg, um mit China auszukommen", erklärte ein Sprecher. "Wenn die USA weiterhin auf ihrem Kurs beharren, wird China entschlossen entsprechende Maßnahmen ergreifen, um seine legitimen Rechte und Interessen zu wahren."
Die Spannungen hatten sich in der vergangenen Woche verschärft, nachdem Peking neue Exportkontrollen angekündigt hatte – einige davon sollen erst im November in Kraft treten.
Trump setzt Frist bis November – und deutet Verhandlungsspielraum an
Am Freitag drohte Trump mit 100-Prozent-Zöllen auf chinesische Waren und Einschränkungen von US-Softwareexporten ab dem 1. November. Zudem stellte er in Aussicht, auch den Export von Flugzeugteilen zu stoppen.
Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass der Novembertermin auch als Verhandlungsfenster gedacht sei. "Wir werden sehen, was passiert", sagte Trump am Sonntag an Bord der Air Force One. "Wissen Sie, was der 1. November für mich bedeutet? Eine Ewigkeit. Für jemand anderen ist er gleich um die Ecke, aber für mich ist der 1. November eine Ewigkeit."
Hoffnung auf Entspannung an den Märkten
Jamieson Greer, der US-Handelsbeauftragte, äußerte sich vorsichtig optimistisch: "Ich denke, es ist eine normale Reaktion der Märkte, sich Sorgen zu machen", sagte er. "Aber diese Maßnahmen sind noch nicht in Kraft. Sie sind für den 1. November geplant. Ich denke, wir werden sehen, dass sich die Märkte in dieser Woche beruhigen, wenn sich die Dinge hoffentlich klären." (mb/Bloomberg)















