Der zuletzt verzeichnete Rücksetzer von Gold nach einer steilen Rally hat den Optimismus der Marktteilnehmer kaum gebremst. Zentralbanken und Investoren signalisierten weiterhin starke Nachfrage, wie auf der London Bullion Market Association (LBMA) Conference in Kyoto deutlich wurde – dem größten jährlichen Branchentreffen der Edelmetallindustrie.

LBMA-Umfrage sieht Gold bei 4.980 Dollar
Laut einer auf der Konferenz durchgeführten Umfrage unter 106 Teilnehmern erwarten Branchenvertreter, dass der Goldpreis bis zur nächsten LBMA-Konferenz am 5. Oktober 2026 auf circa 4.980 US-Dollar je Unze steigt – rund 27 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Das Edelmetall war zuletzt nach Gewinnmitnahmen auf etwa 3.900 Dollar gefallen, nachdem es in der Vorwoche ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Zuvor hatten erwartete Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, anhaltende Zentralbankkäufe und ein schwächerer Dollar die monatelangen Kursgewinne befeuert. Dennoch liegt Gold im bisherigen Jahresverlauf etwa 50 Prozent im Plus, gestützt durch Investoren, die sich gegen Währungsabwertung und wachsende Haushaltsdefizite absichern.

Südkorea signalisiert weitere Käufe
Einen zusätzlichen Impuls lieferte die Ankündigung der südkoreanischen Zentralbank, ihre Goldreserven möglicherweise erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt aufzustocken. Damit würde sie sich einer breiteren Welle staatlicher Käufe anschließen, die die historische Hausse am Goldmarkt in den vergangenen Jahren unterstützt hat.

"Die Bank of Korea plant, zusätzliche Goldkäufe aus einer mittel- bis langfristigen Perspektive zu prüfen", sagte Heung-Soon Jung, Direktor der Reserve Investment Division der Bank, auf der LBMA-Konferenz. Südkorea hatte zuletzt im Jahr 2013 Goldbestände hinzugefügt.

Zentralbanken bleiben treibende Kraft
Die Äußerungen verdeutlichen, wie aktiv Zentralbanken mittlerweile am globalen Goldmarkt agieren. Ihre Käufe – von China bis Polen – waren in den vergangenen zwei Jahren ein zentraler Preistreiber, parallel zu einer wachsenden Nachfrage seitens Privatanlegern und Fonds.

Allerdings warnten einige Analysten vor der Gefahr einer Korrektur. Die Nachfrage der Zentralbanken sei derzeit nicht mehr so stark wie zuvor, sagte John Reade, Marktstratege beim World Gold Council, auf der Veranstaltung. In Gesprächen am Rande der Konferenz habe man Preise um 3.500 Dollar je Unze als ein Niveau bezeichnet, das "gesund für den Goldmarkt wäre – immer noch ein außergewöhnlich hoher Preis", so Reade.

Optimismus auch bei anderen Edelmetallen
Die allgemein positive Stimmung erfasste auch andere Edelmetalle. Laut der LBMA-Umfrage soll Silber innerhalb eines Jahres auf 59,10 Dollar je Unze steigen – ebenfalls rund 27 Prozent über dem aktuellen Kurs. Für Platin und Palladium erwarten die Befragten zweistellige prozentuale Zugewinne. (mb/Bloomberg)