"Toxische Kombination": Carmignac-Experte über Europas Autoindustrie
Zuletzt machte die Volkswagen-Aktie zwar einen Sprung nach oben. Kevin Thozet von Carmignac erwartet aber trotzdem keine rasche und nachhaltige Besserung bei Aktien der europäischen Autobranche und speziell bei Volkswagen. Schuld daran ist vor allem die Konstellation in China.
Europäische Autoaktien sind innerhalb von sechs Monaten um 20 Prozent gefallen. Besonders hart traf es die Volkswagen-Aktie. Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac, erklärt: Die VW-Aktie habe alle wichtigen technischen Unterstützungsmarken unterschritten und notierte teils unter ihren "Dieselgate"- Tiefständen. Der Druck resultiere aus einer "toxischen Kombination" aus chinesischen Überkapazitäten, Preisrückgängen und steigenden Exporten aus China, so der Experte. Kurzfristige Besserung scheint nicht in Sicht, auch wenn die Volkswagen-Aktie auf die jüngste Einigung zum Sparprogramm hin deutlich zulegte.
China-Faktor belastet
China spielt dabei eine entscheidende Rolle: Der chinesische Automobilmarkt ist seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent geschrumpft, während weiterhin mehr als 100 Hersteller um Marktanteile kämpfen. Das dürfte nicht von Dauer sein, sagt Thozet. Er rechnet damit, dass sich die Branche in China in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf eine Handvoll bedeutender Anbieter konsolidieren dürfte. Bis dahin müssen die Überkapazitäten jedoch irgendwohin. Die chinesischen Exporte dürften von rund sieben Millionen Fahrzeugen im Jahr 2025 auf mehr als zehn Millionen im Jahr 2026 steigen. BYD allein verkauft bereits rund 35.000 Fahrzeuge pro Monat in Europa.
Ohnehin schwierige Lage
Europas Autobauer und besonders Volkswagen trifft dieser Preisdruck in einer ohnehin schwierigen Lage. Die Automobilproduktion ist bereits von rund 22 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 auf heute etwa 16 Millionen gesunken. Für die kommenden fünf bis zehn Jahre gehen Schätzungen von einem weiteren Rückgang auf acht bis zwölf Millionen Fahrzeuge aus. Thozets Fazit: "China produziert zu viele Autos. Europa hat zu viele Fabriken. Und beide Probleme treffen nun aufeinander." (jh)




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