Top-Stratege Yardeni: Die "Bond Vigilantes" könnten bald aktiv werden
Die Renditen lang laufender Staatsanleihen steigen weltweit auf Niveaus wie seit vielen Jahren nicht mehr. Yardeni Research sieht noch keinen Grund zur Panik – beobachtet die berüchtigten "Bond Vigilantes" aber zunehmend genau.
Die Renditen von Staatsanleihen mit langer Restlaufzeit sind deutlich gestiegen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen legte am Montag (17.8.) um fast sechs Basispunkte auf 5,31 Prozent zu. Damit übertraf sie das Hoch aus dem vergangenen Monat und erreichte den höchsten Stand seit 2007. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in anderen großen Anleihemärkten: In Kanada stieg die Rendite 30-jähriger Papiere auf den höchsten Stand seit 2010, während die Renditen deutscher Bundesanleihen Niveaus wie zuletzt 2011 erreichten.
Dennoch gebe es mit Blick auf den US-Anleihemarkt noch keinen Grund zur Panik, auch wenn Anleger angesichts der steigenden Staatsverschuldung zunehmend Anzeichen von Unbehagen zeigten, meint Yardeni Research.
"Wir drücken noch nicht den Panikknopf"
Das Analysehaus erklärte, der Markt werde zunehmend besorgt über den starken Anstieg der Kreditaufnahme durch Hyperscaler. Zugleich stelle sich die Frage, wie die US-Notenbank Federal Reserve reagiere, wenn die Inflation wegen steigender Ölpreise wieder anziehe.
"Wir drücken noch nicht den Panikknopf", schrieben die von Ed Yardeni angeführten Strategen am Dienstag (18.8.) in einer Mitteilung. "Wir beobachten jedoch genau, ob die Bond Vigilantes dies möglicherweise tun werden."
Renditen zwischen vier und fünf Prozent
Yardeni verwies auf den Sommer 2023, als die US-Renditen innerhalb weniger Monate von vier auf fünf Prozent stiegen. Dieses Niveau erwies sich letztlich als attraktiv für Käufer. Das Analysehaus geht davon aus, dass sich eine ähnliche Kaufgelegenheit ergeben könnte.
"Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass sich die Rendite von US-Anleihen weiterhin in einer normalen Spanne von vier bis fünf Prozent bewegen sollte, ohne negative Folgen für die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne zu verursachen", schreiben die Strategen. "Da sich die Rendite nun jedoch dem oberen Ende dieser Spanne nähert, beobachten wir die Aktivitäten der Bond Vigilantes genauer."
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen bei 4,73 Prozent und damit nahe ihrem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Grund dafür sind Sorgen über hohe Staatsausgaben und die Inflation. Höhere Ölpreise infolge eines länger andauernden Iran-Kriegs könnten den Preisdruck zusätzlich verstärken und die Argumente für Zinserhöhungen der Fed untermauern. Gleichzeitig hat der KI-Boom einen starken Anstieg der Unternehmensverschuldung ausgelöst, sodass Washington und das Silicon Valley um denselben Kapitalpool konkurrieren.
Steigende US-Zinsen wirken weltweit
Höhere Zinsen in den Vereinigten Staaten ziehen zudem weltweit Kapital in Richtung Dollar. Dies erschwert Japans Bemühungen, eine Abschwächung des Yen über die Marke von 160 je Dollar hinaus zu verhindern, sowie Chinas Versuche, den Yuan stabil zu halten. Da US-Staatsanleihen weltweit als Benchmark für die Preisbildung von Schuldtiteln dienen, schlagen steigende Zinsen in Amerika überall auf die Finanzierungskosten von Staaten, Unternehmen und Hypotheken durch, so Yardeni.
Der Kapitalmarktstratege prägte in den 1980er-Jahren den Begriff "Bond Vigilantes". Damit bezeichnete er Anleger, die Anleihen verkaufen, um gegen eine aus ihrer Sicht inflationäre Regierungspolitik zu protestieren. Dadurch fallen die Anleihekurse und steigen die Renditen, was die politischen Entscheidungsträger dazu zwingt, wieder einen Kurs größerer fiskalischer Disziplin einzuschlagen.
"Bond Vigilantes" werden weltweit aktiv
Nach Angaben des Analysehauses sind die "Bond Vigilantes" in den vergangenen Monaten weltweit zunehmend aktiv geworden. Dies deutet darauf hin, dass die Sorgen über die Staatsverschuldung nicht auf die USA beschränkt sind. Besonders aktiv seien sie in Großbritannien und Japan gewesen, wo die Schuldenlast im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung besonders hoch sei, erklärten die Strategen. (mb/Bloomberg)















