Löger sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Österreich ist bereit, auch einen Vorschlag einzubringen". Einen Kandidaten wollte Löger nicht nennen. Ein Posten im EZB-Direktorium, das neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten aus vier weiteren Mitgliedern besteht, gilt als einer der Top-Jobs in Europa. Das Direktorium gestaltet wesentlich die Geldpolitik im Euroraum.

Direktoriumsmitglieder werden vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit ausgewählt und für eine nicht verlängerbare achtjährige Amtsperiode ernannt. Die Amtszeit von Präsident Mario Draghi endet am 31. Oktober 2019. Der Belgier Peter Praet und der Franzose Benoit Coeure gehen ebenfalls 2019. Ob Löger mit seinem Wunsch durchkommt, ist ungewiss: Mit Gertrude Tumpel-Gugerell war bereits einmal eine Österreicherin im Direktorium vertreten (bis 2011), während andere Länder noch keine Vertreter schicken konnten, wie Bloomberg anmerkt.

Österreich gilt, wie Deutschland oder die Niederlande, traditionell als "sparorientiert". Die Nullzinspolitik Mario Draghis und der Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen durch die EZB war hier auf größere Widerstände gestoßen, als in anderen Euroländern.

Aufregung um Lögers Forderung zu Leitzinsanhebung
In dieses Bild passt auch ein Diskussionspapier des Wiener Finanzministeriums, das vor dem Treffen der Eurogruppe am Freitag in Wien und dem tags darauf stattfindenden informellen EU-Finanzministerrat für Aufsehen sorgt. In dem Papier, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, zeigt Löger Sympathie für eine Leitzinserhöhung und möchte bei den Treffen in Wien eine Debatte dazu führen.

Die Tageszeitung "Die Presse" berichte von Bedenken, wonach eine solche öffentliche oder halböffentliche Debatte der Finanzminister die im EU-Vertrag festgeschriebene politische Unabhängigkeit der EZB beeinträchtigen könnte. Diese teile man im Ministerium nicht: "Die Finanzminister wissen, dass sie nicht Geldpolitik machen", zitiert die Zeitung das Ministerium. (eml)